Fakten und FAQ zur Afrikanischen Schweinepest

ein grüner Würfel mit einem weißen Fragezeichen und ein roter Würfel mit einem weißen Ausrufezeichen.

© Tony Hegewald/Pixelio.de

Ist die Seuche auf den Menschen übertragbar? Wie verbreitet sich das Virus? Kann ich Fleisch von Wildschweinen noch essen? Diese und viele weitere Fragen werden hier beantwortet.
Durch die Informationen lassen sich wichtige Verhaltensweisen ableiten, Ängste abbauen und Rückschlüsse ziehen.

Fakten zur ASP

  • Das ASP-Virus infiziert ausschließlich Schwarzwild und Hausschweine und keine Menschen.
  • Derzeit gibt es keinen Impfstoff gegen die ASP.
  • Das ASP-Virus ist sehr resistent und überlebt im Boden über ein Jahr, in Schlachtkörpern und Blut ist das Virus monatelang, in Gefrierfleisch sogar jahrelang vermehrungsfähig. Einmal ausgebrochen verbleibt das Virus für einen langen Zeitraum in den Jagdrevieren.
  • Die Erkrankung an der ASP bedeutet für jedes betroffene Stück Schwarzwild großes Tierleid! Die Krankheit verursacht starke Symptome und endet zu fast 100 Prozent tödlich.

Einschleppungswege

  • Der Mensch ist der entscheidende Verbringungsvektor. Werden kontaminierte Lebensmittel (z. B. verunreinigte Wurstsemmel) weggeworfen und von Wildschweinen gefressen, kann dies zu einer ASP-Infektion führen. Daher kann die Seuche sogar über hunderte Kilometer mit dem Menschen "mitreisen".
  • Die Seuche kann jederzeit und in jedem Jagdrevier mit Schwarzwildvorkommen ausbrechen.
  • Die Wahrscheinlichkeit einer Einschleppung der ASP zunächst in die bayerische Schwarzwildpopulation ist damit größer als ein Ersteintrag bei Hausschweinen (FLI).

Der Hegeauftrag beinhaltet die Erhaltung eines gesundes Wildbestands

Die Jägerschaft kann einen wichtigen Beitrag zur Seuchenprävention leisten:

  • Durch Aufklärung können Jägerinnen und Jäger die Mitbürger sensibilisieren.
  • Schwarzwildbestand deutlich reduzieren: Das Landwirtschaftsministerium hat dazu das "Maßnahmenpaket zur nachhaltigen Reduktion von Schwarzwild" veröffentlicht. Es eröffnet weitreichende Spielräume für regionalspezifische Lösungen. Die Staatsregierung stellt den Revierinhabern eine Aufwandsentschädigung für die Erlegung von Frischlingen, Überläuferbachen und Bachen, die nicht zur Aufzucht notwendig sind, zur Verfügung.
  • Aufmerksamkeit im Revier ist nötig, insbesondere Auffälligkeiten sind dem Veterinäramt zu melden. Probennahmen bei Fallwild und Totfundmeldung sind wichtig, auch dazu stellt die Staatsregierung eine Aufwandsentschädigung zur Verfügung.
  • Erhöhte Vorsicht ist bei Jagdreisen in die Befallsgebiete geboten. Das Mitführen unverarbeiteter Trophäen aus diesen Regionen ist verboten. Im Übrigen sind die gesetzlichen Beschränkungen streng zu beachten.

FAQ zur Afrikanischen Schweinepest

Was ist die Afrikanische Schweinepest?

Die Afrikanische Schweinepest ist eine Viruserkrankung, die ausschließlich Haus- und Wildschweine befällt. Die Erkrankung ist für die infizierten Tiere mit großem Tierleid verbunden. Die Sterblichkeit bei der ASP liegt bei nahezu 100 %. Der Tod kann nach sehr heftigen Symptomen binnen weniger Tage eintreten. Es handelt sich um eine anzeigepflichtige Tierseuche.

Gibt es einen Impfstoff?

An der Entwicklung eines Impfstoffes wird aktuell geforscht, derzeit steht jedoch kein Impfstoff zur Verfügung.

Ist die Afrikanische Schweinepest für den Menschen gefährlich?

  • Eine Ansteckungsgefahr für den Menschen besteht nicht, auch nicht beim Verzehr von infiziertem Fleisch.

Woher kommt die Afrikanische Schweinepest?

  • Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des ASP-Virus befindet sich auf dem afrikanischen Kontinent.
  • Die Einschleppung nach Osteuropa erfolgte vermutlich 2007 über den Schwarzmeerhafen Poti nach Georgien. Die weitere Verbreitung auf dem europäischen Kontinent über die Trans-Kaukasischen Länder nach Russland, Weißrussland und die Ukraine bis in die EU-Staaten kann auf der Ausbreitungsanimation des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) nachvollzogen werden

Wie wird der Erreger der Afrikanischen Schweinepest übertragen?

  • Die Ansteckung erfolgt entweder direkt von Tier zu Tier oder indirekt über kontaminierte Gegenstände, Lebensmittel oder Speiseabfälle. Besonders hoch ist die direkte Übertragung über Gewebereste, Ausscheidungen oder Körperflüssigkeiten (z. B. Blut) infizierter Tiere. Kleinste Tropfen reichen hier für eine Infektion aus.
  • Das Virus bleibt während des Verwesungsprozesses von Kadavern über mehrere Monate infektiös.
  • Das Virus überlebt auch in gekühltem, gefrorenem, gepökeltem oder geräuchertem Fleisch sowie in Wurstwaren mehrere Wochen bis Jahre. Es kann daher durch mitgeführte und unachtsam weggeworfene kontaminierte Lebensmittel / Speisereste verbreitet werden.
  • Spontane Infektionssprünge der ASP über größere Distanzen hinweg können auf die Entsorgung infizierter Lebensmittel zurückgeführt werden. Daher geht besonders von Parkplätzen an Fernverkehrsrouten und Picknickplätzen im Wald ein hohes Risiko aus. Dort können sich Wildschweine mit dem Virus infizieren und die Seuche weiterverbreiten.
  • Darüber hinaus spielen noch weitere durch den Menschen verursachte Übertragungswege eine Rolle. Personen, die mit infizierten Tieren in Kontakt gekommen sind, können das Virus durch Fahrzeuge oder kontaminierte Ausrüstungs- und Arbeitsgegenstände der Jagd, der Land- und Forstwirtschaft verbreiten.
  • Im ursprünglichen Verbreitungsgebiet der ASP, den afrikanischen Ländern südlich der Sahara und einigen Mittelmeerländern kann die Erkrankung über Lederzecken übertragen werden. Diese Lederzecken kommen in Mitteleuropa nicht vor.

Welche Symptome zeigen erkrankte Wild- und Hausschweine, wie verläuft die Krankheit?

  • Die Zeit von der Ansteckung bis zum Auftreten erster Symptome (Inkubationszeit) beträgt 2 bis 15 Tage. In der Regel zeigen erkrankte Tiere nach 4 Tagen erste Symptome.
  • Schwere aber unspezifische Symptome können sein:
    • Blutungsneigungen (Blutiger Durchfall, Nasenbluten, Hautbluten)
    • hohes Fieber
    • Fressunlust
    • Atemstörungen
    • Magen-Darm-Symptome
    • Bewegungsstörungen
    • verringerte Fluchtbereitschaft
    • Desorientiertheit
    • Hautverfärbungen, insbesondere bei Erregung
    • Beim Hausschwein können Blauverfärbungen der Haut (Zyanosen) beobachtet werden.
  • Die Erkrankung führt in fast allen Fällen zum Tod des erkrankten Schweines innerhalb weniger Tage

Warum hat die Wildschweindichte einen Einfluss auf die Ausbreitung der Afrikanische Schweinepest?

  • Wildschweine sind in der freien Wildbahn ein wesentlicher tierischer Überträger der ASP. Durch direkten (Tier zu Tier) oder indirekten Kontakt (zum Beispiel Lebensmittel oder Speiseabfälle, mit dem Virus behaftete Gegenstände) kann sich die ASP innerhalb der Wildschweinpopulation schnell ausbreiten.
  • Durch ihr Wanderverhalten können Wildschweine teils erhebliche Distanzen zurücklegen und so das Virus verbreiten. Wildschweine sind hervorragende Schwimmer, breite Flüsse stellen für sie auch keine Hindernisse dar.
  • Je höher die Wildschweindichte, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion durch die Aufnahme kontaminierter Lebensmittel und auch des Kontakts zwischen erkrankten und gesunden Wildschweinen. Durch eine geringere Population wird die Möglichkeit das Virus weiterzutragen deutlich gemindert und gesunde Wildschweine vor einer Infektion bewahrt.

Zu welchen Maßnahmen führt ein Ausbruch der ASP in Bayern?

  • Die Einschleppung der ASP nach Bayern hat Folgen für Tiergesundheit und Handel.
  • Wird ein Seuchenherd in einem Hausschweinebetrieb festgestellt, so würde der gesamte Bestand getötet und unschädlich beseitigt. Darüber hinaus würde ein Sperrbezirk und ein Beobachtungsgebiet eingerichtet werden.
  • Rechtlich sind die Maßnahmen zur Bekämpfung in der Bundesverordnung zum Schutz gegen die Schweinepest und die Afrikanische Schweinepest (Schweinepest-Verordnung) verankert.
  • Handelsrestriktionen und Vermarktungsbeschränkungen für Hausschweine, Fleisch und Fleischerzeugnisse von Haus- und Wildschweinen sind in den betroffenen Gebieten die unmittelbare Konsequenz, auch wenn das Virus nur bei Wildschweinen festgestellt wurde.
  • Die Jägerschaft in ASP-Gebieten muss mit erheblichen Einschränkungen bei der Jagdausübung insgesamt rechnen.

Welchen Beitrag kann die Jägerschaft zur Seuchenprävention leisten?

  • Den Schwarzwildbestand deutlich reduzieren. Das Landwirtschaftsministerium hat dazu das „Maßnahmenpaket zur nachhaltigen Reduktion von Schwarzwild“ veröffentlicht. Es eröffnet weitreichende Spielräume für regionalspezifische Lösungen.
  • Die Staatsregierung gewährt allen Revierinhabern und Revierinhaberinnen eine Aufwandsentschädigung für die Erlegung von Schwarzwild, ausgenommen sind die für die Aufzucht der Jungtiere notwendigen Elterntiere.
  • Auch für die Probennahme bei Fallwild und für Totfundmeldung gewährt die Staatsregierung eine Aufwandsentschädigung.
  • Durch Aufklärung die Mitbürger sensibilisieren.

Was hat die Jägerschaft beim Aufbrechen und beim Totfund zu beachten?

  • Da das Blut infizierter Tiere besonders ansteckend ist, sollten vor allem im Hinblick auf Aufbruchmaterial, Wildabfälle und exponierte Gegenstände Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen getroffen werden. Typische Gegenstände sind z. B. Stiefel, Lappen, Wildwannen, Messer und Kleidungsstücke.
  • Achten Sie vermehrt auf auftretendes Fallwild und melden Sie tot aufgefundene Wildschweine an das Tierfund-Kataster unter https://www.tierfund-kataster.de/tfk/tfk_erfassung.php. Das zuständige Veterinäramt wird dadurch automatisch informiert und kann weiterführende Maßnahmen in die Wege leiten. Wichtig ist der Versand von Proben an die zuständige veterinärmedizinische Untersuchungseinrichtung. Trockene Bluttupfer reichen für eine verlässliche Erregerdiagnostik aus. Im Extremfall reicht auch ein markhaltiger Knochen. Optimal sind Blut und Milzproben, da sie eine erweiterte Diagnostik und Charakterisierung erlauben. Die Qualität der Probe spielt eine untergeordnete Rolle. Sogar in Verwesung befindliches Material kann untersucht werden!
  • Das Fallwildmonitoring ASP fungiert als Frühwarnsystem. Für die Beprobung verendet aufgefundener, auffällig erlegter und verunfallter Wildschweine (Fallwildmonitoring) wird eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 20€ gewährt.

Was hat die Jägerschaft bei Jagdreisen zu beachten?

  • Insbesondere die osteuropäischen Staaten sind beliebte Jagdreiseziele. Un-verarbeitete Jagdtrophäen und Schwarzwildprodukte bergen aber ein erhebliches Risiko, die ASP weiterzuverbreiten.
  • Nach Teilnahme an Jagden in ASP-Gebieten ist besonderer Wert auf hygienische und desinfizierende Maßnahmen zu legen.
  • Das Mitführen unverarbeiteter Trophäen sowie von Fleisch aus diesen Regionen ist verboten.

Was können Landwirte und private Schweinehalter tun, um eine Einschleppung zu verhindern?

Verhaltenshinweisen sowie Tipps zur Biosicherheit gibt es unter dem folgenden Link.

Wie verhalte ich mich als Naturliebhaber/-in richtig und was habe ich zu beachten, um nicht zur Ausbreitung der ASP beizutragen?

  • Das achtlose Wegwerfen von Lebensmitteln / Speiseresten selbst in kleinen, aber kontaminierten Mengen kann katastrophale Folgen haben. Ungesicherte, für Wildschweine frei zugängliche Mülltonnen stellen ein extrem hohes Gefährdungspotential dar. Daher sollten die folgenden Hinweise dringend beachtet werden:
    • Verfüttern Sie keine Speisereste.
    • Entsorgen Sie ihre Lebensmittel / Speisereste nicht im Wald oder in ungeschlossenen und nicht befestigten Mülltonnen, sondern nehmen Sie diese wieder mit nach Hause.
    • Berühren Sie den Kadaver nicht.

Kann Fleisch von Haus- und Wildschweinen weiterhin unbedenklich verzehrt werden?

Das Virus ist nicht auf den Menschen übertragbar, weder durch den Verzehr von Schweinefleisch noch über den Kontakt mit Tieren. Schweinefleisch (von Haus- und Wildschweinen) kann daher nach wie vor unbedenklich verzehrt werden.

Können Raubtiere und Aasfresser (zum Beispiel Fuchs, Krähe) das Virus weiter verbreiten?

  • Laut Friedrich-Loeffler-Institut spielen Vögel und Raubtiere keine Rolle bei der Ausbreitung der ASP über größere Entfernungen.
  • Es besteht jedoch zumindest ein lokales Risiko der möglichen Einschleppung des ASP-Erregers in Schweinebestände durch Aasfresser infolge einer Verschleppung von Kadaverteilen über kürzere Distanzen.
    Dem kann aber mit einem Zaun entsprechend entgegengewirkt werden. Das Risiko einer Einschleppung durch Vögel kann z. B. durch unattraktive Anlagen und schwer zugängliches Futter reduziert werden.
  • Neben dem Verschleppen können Aasfresser auch ASP kontaminierte Kadaverteile aufnehmen. Die Darmpassage überlebt das Virus jedoch nicht.

Worin unterscheiden sich die Klassische Schweinepest (KSP) und die Afrikanische Schweinepest (ASP)?

ASP-Virus und KSP-Virus unterscheiden sich genetisch grundlegend voneinander. Die Krankheitserscheinungen und die möglichen Übertragungswege sind bei beiden Schweinepest-Arten aber sehr ähnlich. Aufgrund des klinischen Krankheitsbildes lassen sich die beiden Krankheiten nicht unterscheiden.

Auch die Bekämpfungsstrategien im Falle eines Ausbruches bei Hausschweinen sind aufgrund der schwerwiegenden wirtschaftlichen Auswirkungen sehr ähnlich (Bestandskeulungen und Einrichtung von Restriktionsgebieten). Wesentlicher Unterschied ist, dass gegen die ASP bisher kein geeigneter Impfstoff entwickelt werden konnte. Dies liegt hauptsächlich daran, dass das ASP-Virus außerordentlich komplex ist und es im Wirt nicht zur Bildung neutralisierender (d.h. das Virus unschädlich machender) Antikörper kommt. Darüber hinaus besitzt es die Fähigkeit die Immunantwort des Wirtes zu unterlaufen.

Gegen die KSP hingegen ist sowohl für Hausschweine als auch für Wildschweine ein markierter Impfstoff zugelassen, der aber nur unter den besonderen gesetzlichen Bestimmungen der Europäischen Gemeinschaft und mit Genehmigung der zuständigen Behörden angewendet werden darf.

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