Sturmmöwe

Sturmmöwe sitzend nach links schauendZoombild vorhanden

© H.-J. Fünfstück/www.5erls-naturfotos.de

Sturmmöwen haben nur ein sehr kleines Brutvorkommen in Bayern. In den Herbst- und Wintermonaten kommen Sturmmöwen vereinzelt auch als Durchzügler und Wintergäste nach Bayern. Die Möwenart ist etwas größer und schwerer als die in Bayern häufigere Lachmöwe und unterscheidet sich von den anderen Möwenarten durch ihren gelbgrünen Schnabel und die gelbgrünen Beine.

Erscheinungsbild

Das Gefieder der Sturmmöwen unterscheidet sich in den Sommer- und Wintermonaten. Im Sommer tragen die Möwen ihr Prachtkleid mit grauer Oberseite, weißem Gefieder und schwarzen Flügelspitzen mit weißen Flecken. Im Schlichtkleid im Winter sind Kopf und Halsbereich mit bräunlichen Punkten versehen. Der Schnabel und die Beine sind ganzjährig gelbgrün und die Augen dunkel gefärbt.

Bevor junge Sturmmöwen ihre typische Färbung annehmen, tragen sie in den ersten drei Lebensjahren ein Jugendkleid. Dieses ist kräftig braun gemustert und nimmt erst nach und nach die typische Färbung an. Die Flügelspitzen sind von Beginn an schwarz, die weißen Flecken bilden sich etwa ab dem zweiten Jahr. Die jungen Möwen haben in den ersten Lebensjahren noch rötliche Beine (Ständer), die sich im Erwachsenenalter gelbgrün färben. Der Schnabel ist bei den Jungen dunkel, dann mit einer schwarzen Spitze und schließlich mit einem schwarzen Band versehen.

Wissenswertes auf einen Blick

  • Wissenschaftlicher Name: Larus canus
  • Gewicht: 290 – 550 g, Männchen etwas schwerer als Weibchen
  • Größe: 40 – 46 cm, Flügelspannweite 110 – 130 cm
  • Alter: bis über 30 Jahre
  • Geschlechterunterschied: Männchen etwas schwerer und größer als Weibchen
  • Gelege: meist 3 Eier je Gelege und Jahr, Nachgelege möglich

Die Stimme der Sturmmöwe

Die Rufe der Sturmmmöwe klingen hoch und „jauchzend“: „ke ke le KLIIH-ä… KLIIH-ä…kej-a kej-a kej-a kej-a ke ke“, oft lässt sie wiederholt „kiia“ hören.
Hören Sie selbst die Stimme der Sturmmöwe:

Autor: Frommolt, Karl-Heinz / Tierstimmenarchiv Berlin

Sturmmöwe in Bayern

Sturmmöwen sind in Bayern eine sehr seltene Brutvogelart. Der Brutbestand wird auf 9 bis 11 Brutpaare geschätzt. Die Brutplätze befinden sich ausschließlich an der Mittleren Isar. In den Wintermonaten sind überwinternde Möwen vor allem am Altmühlsee, der Mittleren Isar, dem Ammersee, dem Starnberger See sowie dem Chiemsee anzutreffen. Im Dezember und Januar versammeln sich schätzungsweise zwischen 350 bis 500 Sturmmöwen in Bayern.

Lebensraum und Lebensweise

Ufer Chiemsee Winterlebensraum Silbermöwe und Sturmmöwe 2Zoombild vorhanden

© Heither, Hannah

Sturmmöwen leben zur Brutzeit in monogamen Saisonehen zusammen. Durch eine ausgeprägte Brutplatztreue sind die Verpaarungen teilweise über viele Jahre hinweg konstant, wobei die Tiere die Winter immer getrennt verbringen. Sturmmöwen sind meist Koloniebrüter und finden sich oftmals auch mit anderen Arten wie Silber- oder Lachmöwen in Brutkolonien zusammen. Sturmmöwen sind eigentlich Vögel der Küstenregionen, finden jedoch auch im Binnenland geeignete Brutgebiete. Die Nester werden meist auf trockenem Boden auf Bulten, Inseln, Landzungen oder an Flüssen oder Seen angelegt. Zur Vermeidung von Bodenfeinden erfolgt der Nestbau an erhöhten, vegetationsarmen Stellen. Das Nest wird von beiden Elterntieren mit Material aus der Umgebung gebaut. Auch das Brüten übernehmen beide Eltern im Wechsel. Meistens wird erst nach Ablage des letzten Eis mit dem Brüten begonnen. Nach dem Schlupf verlassen die Jungen schon nach wenigen Tagen das Nest für kleine Erkundungstouren. Die Fütterung erfolgt aber weiterhin durch beide Elterntiere im Nest. Nach ungefähr einem Monat sind die Jungen selbstständig. Bis zur Geschlechtsreife vergehen etwa drei Jahre, in dieser Zeit nennt man die jungen Möwen „Immaturen“.

Sturmmöwen sind das ganze Jahr über gesellig und überwiegend am Tag aktiv. Auf Nahrungssuche begeben sie sich teilweise auch in der Dämmerung.

Ernährung

Sturmmöwen sind bei der Auswahl ihrer Nahrung sehr anpassungsfähig. Sie nehmen neben Würmern auch Insekten, kleine Fische und Schnecken auf. Auch Vögel, Eier und kleine Säugetiere werden von Sturmmöwen erbeutet. Zusätzlich stehen auch Pflanzenteile und mancherorts Abfälle auf dem Speiseplan. Bei der Nahrungssuche können sie daher sowohl an Gewässern, als auch auf Grünlandflächen, Äckern und Mülldeponien beobachtet werden.

Sturmmöwe im Jahresverlauf

Zwischen März und April kehren Sturmmöwen aus ihren Überwinterungsgebieten zurück. Der Zeitraum der Eiablage beginnt Ende April/Anfang Mai und erstreckt sich teilweise bis in den Juni hinein. Die Brutdauer beträgt zwischen 23 bis 28 Tagen. Nach dem Schlüpfen der Jungen dauert es rund 28 bis 33 Tage bis sie flugfähig sind, kurze Zeit später sind sie selbstständig. Ab Oktober ziehen die adulten Sturmmöwen in ihre Überwinterungsgebiete, die Jungen folgen ihnen später nach oder verstreichen in andere Gebiete.

In der Zeit zwischen Mitte Mai/Juni und Mitte November wechseln die Sturmmöwen ihr Gefieder, sie befinden sich dann in der Vollmauser.

Jahresverlauf der Sturmmöwe

Jagdliche Begriffe

Im Laufe der Jahrzehnte haben sich unter Jägern für bestimmte Aktivitäten, Körpermerkmale oder Verhaltensweisen im Zusammenhang mit einer Tierart Begriffe eingebürgert. Einige davon sind hier aufgeführt.

  • Gelege: Eier bzw. Eier mit Nest
  • Mauser: Wechsel / Erneuerung der Federn
  • Ständer: Beine
  • Trupp: Gruppe
  • Geschmeiß: Kot
  • Abstreichen: Abfliegen

Jagd und Management

Die Sturmmöwe unterliegt dem Jagdrecht und darf in Bayern zwischen dem 1. Oktober und 10. Februar bejagt werden.

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