Schellente

Männliche Schellente nach links auf See schwimmend

© Mittermeier, Boris

Die Schellente ist in Bayern ein sehr seltener Brutvogel. Sie ist einer der wenigen Höhlenbrüter in der Gattung der Entenvögel. Auffällig ist das markante schwarz-weiße Prachtkleid der Erpel, mit in der Sonne grünlich schimmerndem Kopf und Hals. Ihren Namen trägt die Schellente aufgrund des klingenden Flügelschlages während ihres Fluges.

Erscheinungsbild

Weibliche Schellente auf Gewässer nach links schwimmend. Ansicht leicht von hinten.
Die mittelgroße Entenart hat bei einer Körpergröße von 42 bis 50 Zentimetern ein Gewicht von rund 850 bis 1.200 Gramm. Die Enten sind im Vergleich zu den Erpeln etwas leichter und kleiner (siehe Foto). Der kurze Hals und der verhältnismäßig große Kopf lassen die Art gedrungen erscheinen. Das schwarz-weiße Gefieder, der große, kantige Kopf, der in der Sonne grünlich schimmert sowie der auffällige weiße Fleck hinter dem Schnabel machen das Prachtkleid der Erpel unverwechselbar. Der Schnabel ist dunkel und die Augen kräftig gelb gefärbt. Bei beiden Geschlechtern sind die Beine (Ständer) hellrot. Das Gefieder der Enten ist in unterschiedlichen Grautönen einheitlicher gefärbt. Der Hals und die Flecken auf den Flanken sind weiß abgesetzt. Der Kopf dunkelbraun gefärbt, die Augen sind gelblich und blasser als bei den Erpeln.
Im Prachtkleid tragen die Enten an ihren Schnäbeln im vorderen Bereich ein gelbes Band. Im Schlichtkleid ist das Gefieder der Erpel kontrastärmer, sodass sich beide Geschlechter stärker ähneln.
Männliche Schellente nach rechts auf See schwimmend

© Heither, H.

Ein Schellenten Paar (Männchen und Weibchen) fliegen über ein Gewässer

© H.-J. Fünfstück-www.5erls-naturfotos.de

Wissenswertes auf einen Blick

  • Wissenschaftlicher Name: Bucephala clangula
  • Gewicht: 850 – 1.200 g, Erpel schwerer als Enten
  • Größe: 42 – 50 cm, Flügelspannweite 65 – 80 cm
  • Alter: bis ca. 17 Jahre
  • Geschlechterunterschied: ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus im Prachtkleid, unverwechselbare Erpel mit schwarz-weißem Gefieder, Enten mit gräulichem Gefieder unauffälliger
  • Gelege: 8 – 11 Eier, ein Gelege pro Jahr

Die Stimme der Schellente

Die typischen Geräusche des Flügelschlages während des Fluges der Schellente waren namensgebend.

Autor: Frommolt, Karl-Heinz / Tierstimmenarchiv Berlin

Schellenten in Bayern

In Bayern gibt es nur eine kleine Brutpopulation der Art. Zwischen 110 bis 150 Brutpaaren brüten vorwiegend in der Oberpfalz (Bodenwöhrer Senke), am Chiemsee und im Raum Obere Isar/Walchensee sowie am Lech nördlich von Augsburg. Trotz einer positiven Bestandsentwicklung der letzten Jahre ist die Schellente in Bayern stark gefährdet.
Vom Herbst bis ins Frühjahr sind durchziehende und überwinternde Schellenten in großer Anzahl in Bayern anzutreffen. Der Chiemsee ist das wichtigste Überwinterungsgebiet in Bayern. Im Februar wurden in Bayern maximal 5.500 bis 7.000 Individuen gesichtet.
Die wichtigsten Mausergebiete im Sommer in Bayern sind das Ismaninger Teichgebiet, der Chiemsee und das Charlottenhofer Weihergebiet.

Fundortkarte der Schellente des LfU Externer Link

Lebensraum und Lebensweise

Druch Biber gestautes Gewässer mit Bäumen im Hintergrund

© Philipp Gilbert

Die Balz ist bei Schellenten ein sehenswertes Schauspiel. Den Höhepunkt erreicht die Balz im Februar und März. Die Erpel führen auf dem Wasser dann eine regelrechte Kür mit Balzrufen auf. Aus einer geduckten Schwimmhaltung richten sie schlagartig den Kopf in die Höhe und drehen und schütteln ihn, um den Weibchen zu imponieren.

Zur Brutzeit werden in Bayern überwiegend nährstoffärmere stehende Gewässer und langsam fließende Flüsse mit bewaldetem Ufer aufgesucht. In der Oberpfalz sind dies hauptsächlich Kiefernwälder, in Südbayern vor allem Weichholzauen. Die bevorzugte Nähe zu Bäumen ist in der Nistgewohnheit der Schellente begründetet, denn sie ist ein Höhlenbrüter. Entscheidende Faktoren für die Ansiedlung in einem Brutgebiet sind daher vorhandene Nisthöhlen und ein ausreichendes Nahrungsangebot. Zur Eiablage und zum Brüten suchen die Enten Baumhöhlen von Schwarzspechten oder künstlich geschaffene Nistkästen auf. Insbesondere am Chiemsee werden die Nistkästen in Ufernähe bevorzugt angenommen. Die Schellente ist also auf vorhandene, relativ große Höhlen angewiesen und ist selbst nicht in der Lage, sich eine Nistgelegenheit zu bauen. Vorhandene Höhlen werden bis zu einer Höhe von 10 Metern angenommen.

Nach der Eiablage zwischen März und Ende April bis zum Schlüpfen der Küken vergehen rund 30 Tage. Schon am zweiten Lebenstag lockt das Weibchen den Nachwuchs aus der Höhle. Die Jungen müssen sich dafür beim Verlassen der Höhle nach unten fallen zu lassen. Nach erfolgreicher Landung führt das Weibchen die Jungendie Küken zum Wasser. Ab dem 50. Tag sind sie meist schon selbständig und mit 57 bis 66 Tagen flügge.

Während der Brutzeit zeigen die Brutpaare ein starkes Territorialverhalten, außerhalb der Brutzeit sind Schellenten geselliger und halten sich vor allem mit Gleichartigen auf. Die Entenart ist überwiegend tagaktiv.

Ernährung

eine weibliche Schellente auf der Suche nach Nahrung. Steckt ihren Kopf unter WasserZoombild vorhanden

© Heither, H.

Schellenten ernähren sich fast ausschließlich von tierischer Kost. Nur selten werden auch Pflanzenteile verzehrt. Die Nahrungszusammensetzung variiert je nach Saison und Verfügbarkeit und besteht überwiegend aus Insekten, deren Larven, kleinen Krebstieren, Flohkrebsen, Mollusken, Würmern und kleinen Fischen. Für die Nahrungsaufnahme tauchen die Enten unter Wasser und sammeln die Nahrung mit dem Schnabel auf. Dabei erreichen sie eine Tauchtiefe von rund 3 Meter, vereinzelt wurden auch Tauchgänge bis zu 10 Metern verfolgt.

Schellenten im Jahresverlauf

Die Weibchen legen ihre Eier zwischen März und Ende April ab. Die Brut- und Führungszeit dauert bis in den Juli hinein.

In der Zeit zwischen Juli und September wechseln die Erpel den Großteil ihres Gefieders, bei den Enten beginnt diese Zeit etwa drei Wochen später. Innerhalb dieses Zeitraums werden die Schwingfedern gewechselt (gemausert), sodass beide Geschlechter für rund 3 Wochen flugunfähig sind.
Ab Oktober machen sich Schellenten auf den Weg in ihre Überwinterungsgebiete auf großen, eisfreien Gewässern. Die Rückkehr in ihre Brutgebiete ist zwischen Februar und März.

Jahresverlauf der Schellente

Jagdliche Begriffe

Unter Jägern haben sich für bestimmte Aktivitäten, Körpermerkmale oder Verhaltensweisen spezielle Begriffe eingebürgert. Einige davon sind hier aufgeführt:

  • Erpel: männliches Tier
  • Ente: weibliches Tier
  • Junge: Küken
  • Schof: Familienverband
  • Ständer: Beine
  • Latschen: Füße
  • Bürzel: Schwanz
  • Prachtkleid: farbenfrohes, auffallendes Gefieder des Erpels im Winterhalbjahr bis zur Balz
  • Schlichtkleid: weniger auffallendes Federkleid des Erpels nach der Balz im Frühjahr bis zum Spätsommer
  • Spiegel: auffällig gefärbter Bereich im Gefieder
  • Großgefieder: Schwungfedern des Flügels und Steuerfedern des Schwanzes
  • Kleingefieder: Federn, die der Körperbedeckung dienen
  • Mauser: Gefiederwechsel
  • einfallen: wassern oder landen
  • aufstehen: auffliegen

Jagd und Management

Die Schellente unterliegt gemäß § 2 Abs. 1 Nr. 2 des Bundesjagdgesetzes (BJagdG) dem Jagdrecht. Es besteht jedoch eine ganzjährige Schonzeit.
Die illegale Tötung eines ganzjährig geschonten Wildtieres stellt eine Straftat nach § 38 Abs.1 Nr.2 des Bundesjagdgesetzes dar.
Schnatterenten Paar (Weibchen und Männchen) auf Gewässer nach links schwimmend.
Informieren Sie sich im Wildtierportal Bayern über eine weitere interessante Entenart - die Schnatterente.