Wildkatze

Kopf einer Wildkatze

© Vornehm, R.

Auf leisen Pfoten schleicht die Europäische Wildkatze bereits seit mindestens 300.000 Jahren durch Bayern. Sie war hier heimisch, schon lange bevor die Hauskatze, die von der nubischen Falbkatze abstammt, mit den Römern nach Deutschland kam. Durch Lebensraumverlust und intensive Bejagung galt die Wildkatze in Bayern bis in die 80er Jahre hinein als ausgestorben. Dank einer Reihe von Maßnahmen zur Förderung dieser scheuen und seltenen Tierart, können heute in vielen Regionen Bayerns wieder Wildkatzen nachgewiesen werden.

Neues Forschungsprojekt: Lebt die scheue Wildkatze auch außerhalb des Waldes?

Wildkatzen Lockstock an WaldrandZoombild vorhanden

© Heither, Hannah

Um diese Frage zu beantworten, wird die Lebensraumnutzung der Wildkatze genauer erforscht. Bislang ging man davon aus, dass die Wildkatze vor allem im Wald lebt. Um von einem Waldgebiet ins nächste zu wandern, nutzen Wildkatzen auch das strukturreiche Offenland. Ob sie auch außerhalb des Waldes leben können, soll nun mithilfe eines bereits in Waldgebieten erfolgreich eingesetzten „Lockstock-Monitorings“ in einem Modellgebiet in Unterfranken erforscht werden. Die gewonnenen Ergebnisse aus dem Modellgebiet sollen auf die Gesamtfläche Bayerns übertragen werden.

Pressemitteilung "Neues Forschungsprojekt zur Wildkatze" (StMELF) pdf 447 KB

Wildkatzen Lockstab im Wald

© Zehner, Christian

Wildkatze reibt sich an Lockstock

© BUND / Buergel, Armin

Pinzette mit Wildkatzenhaaren an Lockstock

© Burzer, Lars

Lockstock an Bach

© Zehner, Christian

Erscheinungsbild

Wildkatze sitzt im Wald
Bayerns kleine Tiger
Optisch ähnelt die Wildkatze so stark einer getigerten Hauskatze, dass selbst Experten die sichere Unterscheidung anhand der äußerlichen Merkmale schwerfällt. Generell wirken Wildkatzen durch ihr längeres Fell kräftiger als Hauskatzen.
Der stets fleischfarbene Nasenspiegel, sowie lange weiße Schnurrhaare zeichnen die Wildkatze aus. Das wohl auffälligste Merkmal jedoch ist ein lang wirkender, buschiger Schwanz mit wenigen, deutlich voneinander abgesetzten, geschlossenen Ringen und einem stumpfen, schwarzen Ende.
Wildkatze sitzt auf Baumstumpf

© Mlehmann78-Fotolia.com

Wildkatze schaut nach oben

© XK-Fotolia.com

Wildkatze läuft auf einem Ast entlang

© Stephan Morris-Fotolia.com

Wildkatze im Schnee

© Wolfgang Kruck-Fotolia.com

kleine Wildkatze läuft im Wald über Blätterbedecktem Boden

© XK-Fotolia.com

Zeichnung von Pfotenabdrücken einer Wildkatze

© Kreuzpaintner

Wissenswertes auf einen Blick

  • Wissenschaftlicher Name: Felis silvestris silvestris
  • Gewicht: 4 bis 5 kg
  • Größe: entspricht etwa der Größe einer Hauskatze
  • Alter: 7 - 10 Jahre; in Gefangenschaft deutlich älter (bis 15 Jahre)
  • Geschlechterunterschied: Männchen meist etwas größer und länger als das Weibchen, aber nicht immer deutlich erkennbar
  • Anzahl der Jungen: 2 bis 6 Junge pro Wurf

Die Stimme der Wildkatze

Wildkatze sitzt auf Baumstamm, frontal zum Fotografen

© Wolfgang Kruck-Fotolia.com

Nein, Sie hören hier nicht des Nachbarn Katze - eine echte Wildkatze "maunzt".

Autor: Tembrock, Günter / Tierstimmenarchiv Berlin

Die Wildkatze in Bayern

Aktionsplan 1 zur Förderung der Wildkatze
Das StMELF hat 2010 in Zusammenarbeit mit vielen anderen Institutionen und Verbänden den "Aktionsplan 1" zur Förderung der Wildkatze in Bayern veröffentlicht.
Ziele dieses Plans sind die Ermittlung des Status der Wildkatze, die Schaffung von mehr Bewusstsein für die Wildkatze, sowie die Förderung des Wildkatzenbestandes und seiner Ausbreitung.
Mehr über Erfolge, Ziele und die beteiligten Verbände erfahren Sie auf der folgenden Seite.
Die Monitoringprogramme der letzten Jahre lassen die Vermutung zu, dass sich die Wildkatzenpopulation in Bayern zunehmend stabilisiert.
Schätzungsweise leben derzeit ungefähr 700 Individuen in Bayern. Die Ziele des Wildkatzenplans wurden durch das Monitoring erreicht und Gesamtbayern erfasst. Die Verbreitung der Wildkatze muss trotzdem auch in Zukunft beobachtet und die Bestandsentwicklung weiter gefördert werden.
Genauer können Sie sich die Verbreitung der Wildkatze anhand der interaktiven Karte ansehen.

Lebensraum und Lebensweise

junge Wildkatze auf WaldbodenZoombild vorhanden

© Xk-Fotolia.com

Katzen brauchen Deckung und Versteckmöglichkeiten. Als Tagesverstecke und zur Aufzucht ihrer Jungen nutzen sie Höhlen, Wurzelteller, Dickungen und Reisighaufen. Daher finden Wildkatzen in strukturreichen Wäldern mit Totholzanteil optimale Lebensräume. Als Jagdhabitate nutzen sie offene Wiesen, Waldränder und Lichtungen.

Außerhalb der Paarungszeit sind Wildkatzen ausgesprochene Einzelgänger. Streifgebietsgrößen bis 10 km² sind bei Kudern, den männlichen Wildkatzen, keine Seltenheit. Sie überschneiden sich oft mit mehreren, kleineren, nur ca. 2 bis 5 km² großen Streifgebieten der Katzen. Wildkatzenstreifgebiete können sich je nach Witterung, Jahreszeit und Nahrungsangebot verlagern.

Ernährung

Wildkatze sitzt auf WaldbodenZoombild vorhanden

© Xk-Fotolia.com

Katzen fressen Mäuse – das gilt auch für die Wildkatze. Bis zu 90% ihrer Nahrung besteht aus Mäusen und am liebsten fressen sie Feldmäuse. Manchmal stehen aber auch Insekten, Frösche, Eidechsen, Kleinvögel und ganz selten sogar Kaninchen auf dem Speiseplan. Aas, pflanzliche Nahrung oder gar Rehkitze zählen hingegen nicht zur Nahrung der kleinen Jägerin.

Wildkatzen-Lockstockmonitoring

Wildkatze reibt sich am LockstockZoombild vorhanden

© BUND / Buergel, Armin

Katzen lieben Baldrian – in diesem Punkt unterscheidet sich die Wildkatze nicht von unseren Stubentigern. Im Gegensatz zum Menschen hat Baldrian auf Katzen jedoch eine äußerst anregende und stimulierende Wirkung. Diese Leidenschaft macht man sich auch beim Wildkatzenmonitoring zu Nutze. Das Monitoring erfolgt mithilfe von präparierten Lockstöcken. Dazu werden an geeigneten Stellen im Gelände raue Holzstöcke aufgestellt und mit Baldrian besprüht. Bei den duftenden Lockstöcken wird sogar die sonst so heimliche und scheue Wildkatze ganz anschmiegsam. Sie reibt sich ausgiebig an dem Stock und hinterlässt dabei Haare. Die aufgestellten Stöcke werden etwa einmal pro Woche nach Haaren abgesucht und kontrolliert.
Nachdem alle Haare abgesammelt sind, wird der Lockstock mit einem Bunsenbrenner abgeflammt, um eventuelle Rückstände zu entfernen. Anschließend wird er wieder aufgeraut und mit Baldrian besprüht.

Jetzt kann die nächste Wildkatze kommen!

Besprühen eines Lockstocks mit Baldrianlösung, von Kindern umringt.

© BN / Stephan, Thomas

Absammeln der Haare vom Lockstock

© BN / Stephan, Thomas

Ein Mann entfernt mit einem Bunsenbrenner restliche anhaftende Haare.

© StMELF / Höglmeier, Karin

Aufrauen eines Lockstocks mit der Drahtbürste

© BN / Geise, Ulrike

Haare der Wildkatze im Labor

Von den Lockstöcken abgesammelte Haare werden vom Bayerischen Amt für Waldgenetik in Teisendorf genetisch analysiert.
Denn nur so kann man eindeutig feststellen, ob es sich um Hauskatzen- oder Wildkatzenhaare handelt. Bei der genetischen Analyse können die einzelnen Bausteine der Erbinformation genau identifiziert werden. Manche von ihnen unterscheiden sich bei Haus- und Wildkatzen. Somit ist eine eindeutige Unterscheidung der Arten möglich. Falls genügend Haare mit Wurzel vorhanden sind (meist mehr als 5), besteht die Möglichkeit, zusätzlich einen "genetischen Fingerabdruck" des untersuchten Tieres zu erstellen. Damit ist dann auch eine Unterscheidung zwischen Individuen und eine Geschlechterbestimmung möglich. Sogar die Region aus der die Katzen stammen kann näher definiert werden.
Haare auf einem weißen Blatt Papier, festgehalten durch zwei Hände mit blauen Handschuhen

© Fussi, B. / AWG

Haare werden in ein Reagenzglas gegeben.

© Fussi, B. / AWG

eine kleine Plastikflasche mit Schraubdeckel und der Aufschrift Ethanol. Daneben ein Reagenzglashalter mit einem Reagenzglas. Darin kann man Haare erkennen.

© Fussi, B. / AWG

Ein Reagenzglas in Nahaufnahme, gehalten von einer Hand im weißen Gummihandschuh. Im Glas sind DNA-Stränge erkennbar.

© Fussi, B. / AWG

Wildkatzen im Jahresverlauf

Wildkatze läuft auf einem Ast entlangZoombild vorhanden

© Stephan Morris-Fotolia.com

Wildkatzen sind in den Wintermonaten höchst aktiv, vor allem von Januar bis März. Jetzt ist Ranzzeit (Paarungszeit). Nach ca. 63 Tagen kommen zwei bis sechs Junge zur Welt. In der Regel wird jedes Jahr nur ein Wurf geboren, ein zweiter Wurf im Herbst ist selten. Die Katze umsorgt ihre Jungen etwa ein halbes Jahr, bevor diese sich ein eigenes Streifgebiet suchen.

Jagdliche Begriffe

  • Kuder: Männchen
  • Katze, Kätzin: Weibchen
  • Ranzzeit: Fortpflanzungszeit
  • Seher: Augen
  • Gehöre: Ohren
  • Läufe: Beine
  • Waffen: Krallen
  • Fänge: Zähne
  • Rute: Schwanz

Jagd und Management

Wildkatze im SchneeZoombild vorhanden

© Wolfgang Kruck-Fotolia.com

Die Wildkatze unterliegt gemäß § 2 Abs.1 Nr.1 des Bundesjagdgesetztes (BJagdG) dem Jagdrecht. Es besteht jedoch eine ganzjährige Schonzeit. Das heißt Wildkatzen dürfen weder aufgesucht, noch darf ihnen nachgestellt werden. Auch das Erlegen oder Fangen ist verboten.
Die illegale Tötung eines ganzjährig geschonten Wildtieres stellt eine Straftat nach § 38 Abs.1 Nr.2 des Bundesjagdgesetzes dar.