Wildkatze

Kopf einer Wildkatze

©Vornehm, R.

Auf leisen Pfoten schleicht sie bereits seit mindestens 300.000 Jahren durch Bayerns Wälder, die europäische Wildkatze. Sie war hier heimisch, schon lange bevor die Hauskatze, die von der nubischen Falbkatze abstammt, mit den Römern nach Deutschland kam. Durch Lebensraumverlust und intensive Bejagung galt die Wildkatze in Bayern bis in die 80er Jahre hinein als ausgestorben. Dank einer Reihe von Maßnahmen zur Förderung dieser scheuen und seltenen Tierart, können heute in vielen Regionen Bayerns wieder Wildkatzen nachgewiesen werden.

Erscheinungsbild

Wildkatze sitzt im Wald
Bayerns kleine Tiger
Optisch ähnelt die Wildkatze so stark einer getigerten Hauskatze, dass selbst Experten die sichere Unterscheidung anhand der äußerlichen Merkmale schwerfällt. Generell wirken Wildkatzen durch ihr längeres Fell kräftiger als Hauskatzen.
Der stets fleischfarbene Nasenspiegel, sowie lange weiße Schnurrhaare zeichnen die Wildkatze aus. Das wohl auffälligste Merkmal jedoch ist ein lang wirkender, buschiger Schwanz mit wenigen, deutlich voneinander abgesetzten, geschlossenen Ringen und einem stumpfen, schwarzen Ende.
Wildkatze sitzt auf Baumstumpf

©Mlehmann78-Fotolia.com

Wildkatze schaut nach oben

©XK-Fotolia.com

Wildkatze läuft auf einem Ast entlang

©Stephan Morris-Fotolia.com

Wildkatze im Schnee

©Wolfgang Kruck-Fotolia.com

kleine Wildkatze läuft im Wald über Blätterbedecktem Boden

©XK-Fotolia.com

Zeichnung von Pfotenabdrücken einer Wildkatze

©Kreuzpaintner

Wissenswertes auf einen Blick

  • Wissenschaftlicher Name: Felis silvestris silvestris
  • Gewicht: 4 bis 5 kg
  • Größe: entspricht etwa der Größe einer Hauskatze
  • Alter: 7 - 10 Jahre; in Gefangenschaft deutlich älter (bis 15 Jahre)
  • Geschlechterunterschied: Männchen meist etwas größer und länger als das Weibchen, aber nicht immer deutlich erkennbar
  • Anzahl der Jungen: 2 bis 6 Junge pro Wurf

Die Stimme der Wildkatze

Wildkatze sitzt auf Baumstamm, frontal zum Fotografen

©Wolfgang Kruck-Fotolia.com

Nein, Sie hören hier nicht des Nachbarn Katze - eine echte Wildkatze "maunzt".

Autor: Tembrock, Günter / Tierstimmenarchiv Berlin

Aktionsplan 1 zur Förderung der Wildkatze

Das StMELF hat 2010 in Zusammenarbeit mit vielen anderen Institutionen und Verbänden den "Aktionsplan 1" zur Förderung der Wildkatze in Bayern veröffentlicht.
Ziele dieses Plans sind die Ermittlung des Status der Wildkatze, die Schaffung von mehr Bewusstsein für die Wildkatze, sowie die Förderung des Wildkatzenbestandes und seiner Ausbreitung.
Mehr über Erfolge, Ziele und die beteiligten Verbände erfahren Sie auf der folgenden Seite.

Koordiniertes Monitoring führt zum Erfolg

Während der Laufzeit des Aktionsplans ist es durch die koordinierten Monitoringmaßnahmen über fünf Jahre hinweg gelungen, die tatsächlichen Wildkatzenverbreitungsgebiete zu identifizieren. Nachgewiesen wurden Wildkatzen in Oberfranken, Mittelfranken, Unterfranken, der nördlichen Oberpfalz und in den letzten zwei Jahren auch in Nord- und Mittelschwaben. Das Monitoring 2015 ließ vermuten, dass die südlich der Donau liegenden Teile Ober- und Niederbayerns bislang wohl noch nicht von der Wildkatze besiedelt wurden.
Bayernkarte mit Standorten der Baldrianlockstöcke und Punkte der konkreten Nachweise von Wildkatzen.

Nachweise und Lockstöcke (©LfL)

Bild in Originalgröße

Bayernkarte mit Punkten der konkreten Nachweise von Wildkatzen 1997 - 2009.

Wildkatzennachweise 1997 - 2009 (©LfL)

Bild in Originalgröße

Bayernkarte mit Punkten der konkreten Nachweise von Wildkatzen 2010 - 2015.

Wildkatzennachweise 2010 - 2015 (©LfL)

Bild in Originalgröße

Beobachtungen der letzten Jahre deuten darauf hin, dass sich die Wildkatzenpopulation in Bayern zunehmend stabilisiert. Man vermutet momentan 500 bis 700 Individuen in Bayern. Die gesetzten Ziele des Wildkatzenplans wurden also mit dem Monitoring 2015 erreicht und Gesamtbayern erfasst.
Die Verbreitung der Wildkatze muss trotzdem auch in Zukunft beobachtet und die Bestandsentwicklung weiter gefördert werden.
Genauer können Sie sich die Verbreitung der Wildkatze anhand der interaktiven Karte ansehen. Zoomen Sie sich durch die Karte und entdecken Sie Streifgebiete der Wildkatze.

Lebensraum und Lebensweise

junge Wildkatze auf WaldbodenZoombild vorhanden

©Xk-Fotolia.com

Katzen lieben Höhlen – Optimale Voraussetzungen für Wildkatzen gibt es in strukturreichen Mischwäldern mit Totholzanteil. Hier finden sie zahlreiche Tagesverstecke, sowie trockene Aufzuchtplätze für die Jungen, beispielsweise in Baumhöhlen oder Wurzeltellern.
Außer in der Paarungszeit sind Wildkatzen ausgesprochene Einzelgänger. Streifgebietsgrößen bis 10 km² sind bei Kudern, den männlichen Wildkatzen, keine Seltenheit. Sie überschneiden sich oft mit mehreren, kleineren, nur ca. 2 bis 5 km² großen Streifgebieten der Katzen. Wildkatzenstreifgebiete können sich je nach Witterung, Jahreszeit und Nahrungsangebot verlagern.

Ernährung

Wildkatze sitzt auf WaldbodenZoombild vorhanden

©Xk-Fotolia.com

Katzen fressen Mäuse – das gilt auch für die Wildkatze. Mäuse machen über 90% der Nahrung aus. Als willkommene Abwechslung stehen aber auch Insekten, Frösche, Eidechsen, Kleinvögel und ganz selten sogar Kaninchen auf dem Speiseplan. Aas, pflanzliche Nahrung oder gar Rehkitze zählen hingegen nicht zum Nahrungsrepertoire der kleinen Jägerin.

Die Baldrian-Liebhaberin

Wildkatze reibt sich am LockstockZoombild vorhanden

©BUND/Armin Buergel

Katzen lieben Baldrian – auch in diesem Punkt unterscheidet sich die Wildkatze nicht von unseren Stubentigern. Im Gegensatz zum Menschen hat Baldrian auf Katzen jedoch eine äußerst anregende und stimulierende Wirkung. Diese Leidenschaft macht man sich auch beim Erfassen des Wildkatzenbestandes zu Nutze.
Im Wald werden an geeigneten Stellen raue Holzstöcke aufgestellt. Mit einer Drahtbürste können diese zusätzlich aufgeraut werden. Dann werden sie mit Baldrian besprüht. Bei den duftenden Lockstöcken wird sogar die sonst so heimliche und scheue Wildkatze ganz anschmiegsam. Sie reibt sich ausgiebig an dem Stock und hinterlässt dabei ganz freiwillig einige Haare. Die aufgestellten Stöcke werden etwa einmal pro Woche nach Haaren abgesucht und kontrolliert.
Nachdem alle Haare abgesammelt sind, wird der Lockstock mit einem Bunsenbrenner abgeflammt, um eventuelle Rückstände zu entfernen. Anschließend wird er wieder aufgeraut und mit Baldrian besprüht.

Jetzt kann die nächste Wildkatze kommen!

Besprühen eines Lockstocks mit Baldrianlösung, von Kindern umringt.

©BN/Thomas Stephan

Absammeln der Haare vom Lockstock

©BN/Thomas Stephan

Ein Mann entfernt mit einem Bunsenbrenner restliche anhaftende Haare.

©StMELF/Karin Höglmeier

Aufrauen eines Lockstocks mit der Drahtbürste

©BN/Ulrike Geise

Haare der Wildkatze im Labor

Von den Stöcken abgesammelte Haare werden zum Amt für Forstliche Saat und Pflanzenzucht nach Teisendorf geschickt. Dort werden sie genetisch analysiert.
Denn nur so kann man eindeutig feststellen, ob es sich um Hauskatzen- oder Wildkatzenhaare handelt.
Bei der genetischen Analyse können die einzelnen Bausteine der Erbinformation genau identifiziert werden. Manche von ihnen unterscheiden sich bei Haus- und Wildkatzen. Somit ist eine eindeutige Unterscheidung der Arten möglich.
Falls genügend Haare mit Wurzel vorhanden sind (meist mehr als 5), besteht die Möglichkeit, zusätzlich einen "genetischen Fingerabdruck" des untersuchten Tieres zu erstellen. Damit ist dann auch eine Unterscheidung zwischen Individuen und eine Geschlechterbestimmung möglich. Sogar die Region aus der die Katzen stammen kann näher definiert werden.
Haare auf einem weißen Blatt Papier, festgehalten durch zwei Hände mit blauen Handschuhen

©Fussi, B. / ASP

Haare werden in ein Reagenzglas gegeben.

©Fussi, B. / ASP

eine kleine Plastikflasche mit Schraubdeckel und der Aufschrift Ethanol. Daneben ein Reagenzglashalter mit einem Reagenzglas. Darin kann man Haare erkennen.

©Fussi, B. / ASP

Ein Reagenzglas in Nahaufnahme, gehalten von einer Hand im weißen Gummihandschuh. Im Glas sind DNA-Stränge erkennbar.

©Fussi, B. / ASP

Wildkatzen im Jahresverlauf

Wildkatze läuft auf einem Ast entlangZoombild vorhanden

©Stephan Morris-Fotolia.com

Während unsere Hauskatzen faul vor dem warmen Kamin liegen, sind Wildkatzen in den Wintermonaten, vor allem von Januar bis März, höchst aktiv. Jetzt ist Ranzzeit (Paarungszeit). Nach ca. 63 Tagen kommen zwei bis sechs Kätzchen zur Welt. In der Regel wird jedes Jahr nur ein Wurf geboren, ein zweiter Wurf im Herbst ist selten. Die Katze umsorgt ihre Jungen etwa ein halbes Jahr, bevor diese losziehen und sich ein eigenes Streifgebiet suchen.

Jagdliche Begriffe

  • Kuder: Männchen
  • Katze, Kätzin: Weibchen
  • Ranzzeit: Fortpflanzungszeit
  • Seher: Augen
  • Gehöre: Ohren
  • Läufe: Beine
  • Waffen: Krallen
  • Fänge: Zähne
  • Rute: Schwanz

Jagd und Management

Wildkatze im SchneeZoombild vorhanden

©Wolfgang Kruck-Fotolia.com

Die Wildkatze unterliegt gemäß § 2 Abs.1 Nr.1 des Bundesjagdgesetztes (BJagdG) dem Jagdrecht. Es besteht jedoch eine ganzjährige Schonzeit. Das heißt Wildkatzen dürfen weder aufgesucht, noch darf ihnen nachgestellt werden. Auch das Erlegen oder Fangen ist verboten.