Das Team des "WilTiB" führte das Gespräch mit Herrn Otto Prinzing (Landkreis Landsberg a. Lech)
Experteninterview Bürgerplattform Wildtiere in Bayern

Das Team der Bürgerplattform "Wildtiere in Bayern" (WilTiB) führte das Experteninterview mit Herrn Otto Prinzing. Herr Prinzing ist in der Region des Sachsenrieder Forstes im WilTiB aktiv. Über drei Landkreise hinweg gestaltet er das Schwarzwild-Management als einer der Administratoren mit.

Schriftzug Bürgerplattform Wildtiere in Bayern

Team-WilTiB: Sie waren die erste Gruppe, die im Herbst 2016 mit WilTiB, der Bürgerplattform "Wildtiere in Bayern", startete. Außerdem waren Sie vor dem offiziellen Start nicht nur als Tester, sondern auch in die Entwicklung des Systems eingebunden. Vor der WilTiB-Nutzung haben Sie einige Jahre mit SIS, dem Schwarzwild-Informationssystem, gearbeitet. Nachdem SIS nicht weiter ausgebaut werden konnte, sind Sie als erste SIS-Gruppe auf WilTiB umgestiegen. Was hat Sie vor einigen Jahren dazu bewogen, eine Kommunikationsplattform zum Thema Schwarzwild zu nutzen?
Otto Prinzing: Durch unser WilTiB im Sachsenrieder Forst, das an drei Landkreise grenzt (Weilheim-Schongau, Landsberg a. Lech und Ostallgäu), sehen wir die Gesamtsituation auf einer Fläche von etwa 20.000 Hektar. Die Erfassung der Schäden war früher mühsam und zeitintensiv. Die Arbeit blieb an ein paar wenigen hängen. Außerdem waren sie für niemanden einsehbar. Die Schwarzwildschäden und Abschüsse können nun gemeinsam erfasst und dargestellt werden, WilTiB macht das Ganze innerhalb der Arbeitsgemeinschaft transparent. Entscheidend war und ist, dass die Bayerischen Staatsforsten, Jäger, Landwirte und Jagdgenossenschaften von Beginn an mitarbeiten.
Team-WilTiB: Was hat sich verändert, seitdem Sie mit WilTiB arbeiten?
Otto Prinzing: Die Stimmung und Zusammenarbeit aller Beteiligten hat sich positiv entwickelt, was zum Beispiel unsere gemeinsamen Feste wie Wildschweinessen bestätigen. Durch die Plattform hat sich eine Struktur mit "Ist-Daten" entwickelt und wir können hieraus systematisch agieren. Die Landwirte sind als Melder für die Schäden zeitnah aktiv, die Jagdpächter tragen ihre Abschüsse ein und wir sehen deren Leistung. Bei öffentlichen Veranstaltungen und gegenüber den Behörden können wir Fakten aufweisen. Aufgrund dieser Daten erhielten wir die letzten Jahre auf Antrag Schonzeitaufhebungen. Die Statistiken auf Versammlungen verwenden wir zur Motivation.
Team-WilTiB: Wie kommen Sie mit dem System zurecht?
Otto Prinzing: Das dynamische System ist bedienerfreundlich und läuft sehr gut. Unsere Anregungen wurden und werden von der LfL und unserem Projektkoordinator aufgenommen und umgesetzt. Die Zusammenarbeit ist ganz hervorragend.
Mann sitzt vor einem Laptop

©LfL

gestapeltes Säulendiagramm im WilTiB

©LfL

bunte Punkte als Meldungen in einem Luftbild des WilTiB

©LfL

eine Tabelle mit Download-Möglichkeit in Excel-Format

©LfL

Team-WilTiB: Was ist oder war die größte Herausforderung?
Otto Prinzing: Die ersten öffentlichen Versammlungen forderten uns schon. Speziell die einseitige Sicht von Personen, die noch nicht begriffen haben, dass die Schwarzwildproblematik nur durch alle Beteiligten zum Erfolg führt.
In der Gegenwart versuchen wir mit regelmäßigen Zusammenkünften und Informationsveranstaltungen rund um die Jagd, die beteiligten Personen mit ins Boot zu nehmen und somit das System am Leben zu halten.
Team-WilTiB: Was sind die größten Erfolge?
Otto Prinzing: Es ist Friede eingekehrt und die Schwarzwildproblematik wird als gemeinsame Aufgabe angesehen. Die Zusammenarbeit mit den Jägern und Nachbarjägern funktioniert gut, was sich in den Erfolgen von kurzfristig angesetzten, revierübergreifenden Drückjagden widerspiegelt. Unsere Erlegungen haben sich starkt gesteigert. Die Schwarzwildschäden halten sich trotz steigender Population im Rahmen.
Team-WilTiB: Was raten Sie anderen Landwirten und Jäger in Punkto Schwarzwild?
Otto Prinzing: Ich kann allen Jagdvorstehern mit Schwarzwildvorkommen nur empfehlen, die Landwirte und Jäger zu aktivieren und WilTiB einzusetzen.
Bei Neuverpachtung muss ein zeitgemäßer Pachtvertrag selbstverständlich sein. Wir haben hier bei der Verpachtung den Grundstein zum gemeinsamen Erfolg gesetzt.

Wichtige Elemente unserer Pachtverträge sind:

  • verpflichtende Teilnahme an revierübergreifenden Drückjagden
  • Duldung überjagender Hunde
  • faire Regelungen beim Wildschadensersatz
  • Zusammenarbeit wird vorausgesetzt

Aus anderen Rubriken

WilTiB ermöglicht Zusammenarbeit auf Augenhöhe
Bürgerplattform Wildtiere in Bayern

Mit der Bürgerplattform "Wildtiere in Bayern" (kurz: WilTiB) kommt neben dem offiziellen "Wildtierportal Bayern" eine zweite Komponente hinzu. Ziel ist es, Landwirte, Jäger und Jagdgenossen auf Augenhöhe zusammenzubringen, um vor allem Wildschadensprobleme gemeinsam anzugehen und zu lösen. Mehr

Schwarzwild

Die Population der Wildschweine hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Die Meldungen an die Jagdbehörden zeigen auch, dass es in Bayern kaum Gebiete gibt, in denen es noch nicht gesehen wurde. Für die starke Vermehrung gibt es mehrere Ursachen. Mehr