Bausteine des Maßnahmenpakets zur nachhaltigen Reduktion von Schwarzwild: Nachtsichttechnik und Bejagungsschneisen

Maßnahmenpaket Schwarzwild Screenshot
Bei der Schwarzwildbejagung gibt es kein alleiniges Patentrezept, vielmehr gilt es, aus dem im Jahr 2015 veröffentlichten Maßnahmenpaket zur nachhaltigen Reduktion von Schwarzwild regionalspezifische Lösungen zu erarbeiten und gemeinsam umzusetzen.
Maßnahmenpaket Schwarzwild zum Download

Nachsichttechnik: Begriffserklärung und wichtige FAQ zum jagdlichen Einsatz von Nachtsichttechnik

Bezogen auf Punkt 4 des Maßnahmenpakets Schwarzwild "Verwendung von Nachtzieltechnik" ist Folgendes ergänzend zu beachten:
Engagierte Jägerinnen und Jäger stoßen trotz ihrer Bemühungen mit herkömmlichen Jagdmethoden immer mehr an ihre Grenzen. Örtlich sehen Revierinhaber im Rahmen ihrer jagdgesetzlich vorgegeben Revierverantwortlichkeit die Notwendigkeit, bei der Bejagung des überwiegend nachtaktiven Schwarzwilds unterstützende Hilfsmittel als Baustein ihres Jagdkonzepts einzusetzen. Zugleich ist vor dem Hintergrund der Seuchengefahr der Afrikanischen Schweinepest (ASP) eine Reduktion der Schwarzwildbestände notwendig. Dass die Bejagung durch die Verwendung von Nachtsichttechnik in Verbindung mit Jagdlangwaffen optimiert werden kann, wurde in Bayern bereits im Rahmen des Projekts "Brennpunkt Schwarzwild" (Laufzeit 2009 – 2014) in fünf Modellgebieten und bei einem Expertenhearing im November 2014 im Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten festgestellt.

Der Praktikabilitätstest im Rahmen des Forschungsprojekts hat gezeigt, dass der jagdliche Einsatz von Nachtsichttechnik eine Reihe von Vorteilen bietet, wie insbesondere das tierschutzgerechte Ansprechen und Erlegen sowie die Sicherheit bei der Schussabgabe.

Brennpunkt Schwarzwild Externer Link

Nach eingehender rechtlicher Prüfung hat das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten den höheren und unteren Jagdbehörden bereits im Jahr 2016 einen rechtsicheren Weg zur legalen Verwendung von Nachsichttechnik aufgezeigt. Erforderlich ist eine jagdrechtliche Genehmigung und Beauftragung.

Bei der Erteilung der Ausnahmegenehmigung und Beauftragung gelten folgende Maßgaben:

  • ausschließlich sog. "Dual-Use"-Geräte, d.h. Nachtsichtgeräte, die für jeden Bürger ohne eine erforderliche Genehmigung erwerbbar sind
  • Strikte Revierbezogenheit, d. h. die jagdrechtliche Erlaubnis beschränkt sich auf das Revier des antragstellenden Revierinhabers
  • Ausschließlich Schwarzwild, z. B. kein Reh- oder Rotwild
  • Befristung auf maximal drei Jahre
  • Mitführpflicht der behördlichen Dokumente
  • Aushändigung von Schulungsunterlagen durch die Behörde
Informationen zur Antragsstellung können bei der zuständigen unteren Jagdbehörde erfragt werden.

Nachsichtgerät, Montageadapter und Okular – ohne Verbindung zur Jagdlangwaffe

Nachtsichtgerät, Montagering und Okular in EinzelteilenZoombild vorhanden

Abbildung 1: Nachtsichtgerät, Montagering und Okular in Einzelteilen
©BLKA

(1) Nachsichtgerät: Dieses kann von jedem legal erworben und als Beobachtungsgerät ohne Verbindung zu Jagdlangwaffe eingesetzt werden.
(2) Montageadapter: Dieser dient zur Verbindung mit einem optischen Gerät und kann beispielsweise für die legale Verbindung mit einem Fernglas oder Fotoapparat eingesetzt werden.
(3) Okular: Dieses ist für den Einsatz als handgehaltenes Beobachtungsgerät notwendig.
Nachtsichtgerät für handgehaltenen EinsatzZoombild vorhanden

Abbildung 2: Nachsichtgerät mit Okular (handgehaltenes Beobachtungsgerät, vgl. Abbildung 1, Teile 1 und 3).
©BLKA

Der Besitz und die Verwendung ohne Verbindung mit der Jagdlangwaffe sind ohne Genehmigung / Beauftragung zulässig.

Nachsichtgerät – mit Verbindung zur Jagdlangwaffe

Nachtsichtvorsatzgerät zusammengesteckt mit der Zieloptik einer Jagdlangwaffe und darauf montiertZoombild vorhanden

Abbildung 3: Nachsichtgerät mit Montageadapter (vgl. Abbildung 1, Teile 1 und 2) auf das Zielfernrohr der Jagdlangwaffe gesteckt.
©BLKA

Dies ist nur mit Genehmigung / Beauftragung zulässig.
Der Akt des Zusammensteckens eines Nachsichtgeräts mit der Jagdlangwaffe bedarf der jagdrechtlichen Ausnahmegenehmigung und Beauftragung. Achtung: Aufstecken der Nachtzieltechnik ohne behördliche Genehmigung/Beauftragung ist eine Straftat.
Die FAQ zum jagdlichen Einsatz von Nachtsichttechnik in Bayern bieten einen kompakten Überblick zu den wichtigsten Themen.

Anlage und Förderung von Bejagungsschneisen

Bezogen auf Punkt 6 des Maßnahmenpakets Schwarzwild ist Folgendes ergänzend zu beachten:
Die Bejagung in den schadensträchtigen Sommermonaten gestaltet sich in der Feldflur zunehmend schwierig, insbesondere wenn regional große zusammenhängende Getreideanbauflächen vorhanden sind. Es ist unzweifelhaft, dass Schwarzwild vom Deckungs- und Nahrungsangebot im Lebensraum der Agrarlandschaft profitiert. Getreidearten, allen voran Mais, dienen dem Schwarzwild nicht nur als Fraß, sondern auch als Einstand.
Mit der Anlage von Bejagungsschneisen können weitere Möglichkeiten für eine Bejagung von Wildschweinen vor allem in Maisschlägen geschaffen werden. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, Bejagungsschneisen anzulegen. Dies können Streifen sein, die mit anderen Kulturpflanzen bebaut, ganz aus der Produktion genommen oder durch vorzeitige Beerntung eines Teils der angebauten Kultur angelegt werden.
Die Jäger können solchen Streifen für die Schwarzwildbejagung nutzen. Eine Pflicht des Bewirtschafters zur obligatorischen Anlage von Bejagungsschneisen gibt es allerdings nicht. In der Kommunikation zwischen Landwirt und Jäger liegt daher ein wesentlicher Schlüssel, wenn durch Schneisen in Getreidekulturen, Raps und anderen Kulturen Bejagungserleichterungen geschaffen und somit Wildschäden in der Feldflur verhindert werden sollen.
In wenig strukturierten und großflächigen Schlägen kann durch Bejagungsschneisen eine weitere Bejagungsmöglichkeit geschaffen werden. Der Landwirt sollte allerdings die Effektivität gegen den nicht unerheblichen praktischen Aufwand zur Anlage von Bejagungsschneisen abwägen (Deckungsbeitragsverluste je nach Art der Anlage; betriebliche Bedingungen im Einzelfall sind Grundlage für die Anbauentscheidung; Arbeitsaufwand pro Hektar steigt mit abnehmender Schlaggröße und abnehmender Größe der Bejagungsschneisen).
Außerdem gibt es in Bayern Regionen, in denen von Bejagungsschneisen keine wesentlichen Erleichterungen für die Schwarzwildbejagung bzw. die Wildschadensverhütung ausgehen. Die Anbau- bzw. Flächenstruktur erübrigt in einigen Regionen Bayerns die Anlage von Bejagungsschneisen aufgrund des Nebeneinanders einer Vielzahl unterschiedlicher Kulturen mit verschiedenen Erntezeitpunkten im Jahresverlauf und wegen der landwirtschaftlichen Betriebsstrukturen, die in der Regel deutlich kleinere Feldstrukturen als zum Beispiel in den neuen Bundesländern aufweisen.
Bayern hat zum einen von der seit letztem Jahr auf Bundesebene eröffneten Möglichkeit einer vereinfachten Beantragung freiwillig angelegter Blühstreifen und Bejagungsschneisen auf Maisflächen konsequent Gebrauch gemacht. Es kann die gesamte Fläche als "Mais mit Blühstreifen / Bejagungsschneise" (Nutzungscode 177, 410) im Mehrfachantrag angegeben werden ohne separate grafische Erfassung der Blühstreifen bzw. Bejagungsschneisen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Streifen / Schneisen nur einen deutlich untergeordneten Anteil am beantragten Maisschlag von maximal etwa 20 Prozent einnehmen. Sie sind entweder abzuernten oder stillzulegen, dann aber jährlich vor dem 16. November zu pflegen (z. B. Mulchen).
Zum anderen kann bei Raps- und Getreidebeständen die ganze Fläche dennoch mit der jeweiligen Hauptkultur beantragt werden, wenn die für eine bessere Bejagung erforderlichen Bejagungsschneisen bzw. „Schusslöcher“ in diesen Kulturen üblicherweise erst nach erfolgter Aussaat durch eine frühzeitige Ernte des Aufwuchses angelegt werden.
Beide Möglichkeiten können im KULAP unter Beachtung der Auflagen in den jeweiligen Maßnahmen angewandt werden. Es ergeben sich somit keine förderrechtlichen Nachteile durch die Anlage von Bejagungsschneisen.
ein Feldhase sitzt in einem abgeernteten Kornfeld.Zoombild vorhanden

© Schaef, M.

Lediglich bei eigens als Wildlebensraum eingesäten Blühflächen im KULAP dürfen keine Bejagungsschneisen bzw. "Schusslöcher" angelegten werden.
Bei vertieften Nachfragen und Beratungsbedarf zur Förderung stehen die ÄELF-Bereich Landwirtschaft zur Verfügung.
Bei der Abwägung der Anlage von Bejagungsschneisen ist aber auch zu berücksichtigen, dass sie nicht nur für das Schwarzwildmanagement Relevanz haben. Sie können je nach Anlageart bestimmte Tier- und Pflanzenarten des Offenlandes begünstigen. In der Landwirtschaft bietet das "Greening" neue Möglichkeiten. Sprechen Sie daher auch mit Ihrem zuständigen Wildlebensraumberater vor Ort!

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