Fischotter

Fischotter seitlich, Kopf-Hals-Partie

©Karin Jähne–Fotolia.com

In vielen westeuropäischen Ländern ist der Fischotter heute selten bzw. ausgestorben. Vor allem zwei Gründe haben hierfür eine entscheidende Rolle gespielt: Zum einen wurde der Fischotter bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts wegen seines schönen und wertvollen Pelzes gejagt. Zum anderen ernährt er sich überwiegend von Fischen, was nicht immer gern gesehen wurde.
Auch in Bayern war der Fischotter vom Aussterben bedroht. In den ostbayerischen Mittelgebirgen konnte sich jedoch eine kleine, mit Fischottervorkommen in Tschechien und Österreich vernetzte Reliktpopulation halten. Seit Mitte der 1990er Jahre breitet sich diese Population wieder nach Westen, Süden und Norden aus. Heute finden sich entlang der gesamten bayerischen Ostgrenze wieder Nachweise. Ein aktuelles Monitoring ergab eine flächendeckende Population im Bayerischen Wald.

Erscheinungsbild

Fischotter sitzt auf einem Stein. (Fotolia-Derrick Neill)
Der Fischotter ist die längste und nach dem Dachs die zweitschwerste heimische Marderart. Die Weibchen sind in der Regel kleiner und leichter als die Männchen. Das oberseits braune, unterseits fast weiße Fell des Fischotters ist mit 50.000 Haaren je Quadratzentimeter äußerst dicht und stellt somit einen perfekten Schutz vor Nässe und Kälte dar. Die kurzen, kräftigen Beine sind mit fünfzehigen, krallenbewehrten Pfoten ausgestattet. Die Zehen sind durch Schwimmhäute miteinander verbunden.
Durch seine schlanke und lang gestreckte Körperform ist der Fischotter perfekt an das Leben im Wasser angepasst. Er besitzt einen langen, spitz zulaufenden und im Querschnitt runden Schwanz, der etwa halb so lang ist wie der restliche Körper. An dem abgeflachten Schädel sind Nase, Augen und Ohren in einer Linie angeordnet. Beim Auftauchen muss der Otter seinen Kopf deshalb nur leicht aus dem Wasser heben, um seine Umgebung mit allen Sinnen wahrnehmen zu können.

Im Gesicht und an den Ellenbogen verfügt er über stabile Tasthaare. Sie ermöglichen ihm die Jagd unter Wasser selbst bei schlechten Sichtverhältnissen. Ausgewachsene Fischotter sind ausgezeichnete Schwimmer und Taucher, die sich bis zu acht Minuten unter Wasser aufhalten können.

Wissenswertes auf einen Blick

  • Wissenschaftlicher Name: Lutra lutra
  • Gewicht: bis 12 kg
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge bis zu 80 cm, Schwanzlänge bis zu 40 cm
  • Alter: bis etwa 10 Jahre
  • Geschlechterunterschied: Weibchen (Fähen) sind kleiner und leichter als Männchen (Rüden)
  • Anzahl der Jungen: 2 - 3 (bis 5)

Fischotter in Bayern - Fischottermanagementplan

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Seit 1. Februar 2016 wird an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft der Fischottermanagementplan umgesetzt. Er besteht aus den Säulen Beratung, Förderung der Errichtung von Schutzzäunen und Entschädigungszahlungen. Dazu wurde ein Fischotterberater für den Regierungsbezirk Niederbayern eingestellt. Die Koordination des Managementplans liegt an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft.

Der Fischottermanagementplan gründet auf drei Säulen

Fischotter breiten sich seit einigen Jahren aus Österreich und Tschechien kommend wieder in den östlichen Landesteilen von Bayern aus. Einem Monitoring der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft zufolge sind große Teile der östlichen Landesfläche in der Zwischenzeit flächendeckend mit dem Fischotter besiedelt. Die grundsätzlich begrüßenswerte Entwicklung führt allerdings zu Problemen. Vor allem in Niederbayern und der Oberpfalz richtet der streng geschützte Fischotter in den Forellen- und Karpfenteichen schweren Schaden an.

Die Staatsregierung hat darauf reagiert und den Fischottermanagementplan mit dem 01.02.2016 mit Personal- und Finanzmitteln ausgestattet. Er soll einen Ausgleich zwischen Naturschutz und Teichwirten schaffen und auch die Akzeptanz des Fischotters in Bayern fördern. Der Fischottermanagementplan gründet auf drei Säulen:
Fischotterberater
Die Fischotterberater beraten die Teichwirte vor Ort. Sie informieren über mögliche Abwehrmaßnahmen, wie den Bau von Abwehrzäunen, stellen aber auch die durch Fischotter entstandenen Schäden fest. Seit dem 1. Februar 2016 gibt es einen Fischotterberater für den Regierungsbezirk Niederbayern, seit dem 15. Februar 2017 zwei weitere Fischotterberater für den Regierungsbezirk Oberpfalz.

Fischotterberater für den Regierungsbezirk Niederbayern
Martin Maschke
Mobil: 0152 54669790
E-Mail: Martin.Maschke@LfL.bayern.de

Fischotterberater für die südliche Oberpfalz (Landkreise: Neumarkt i. d. Oberpfalz, Schwandorf, Regensburg, Cham)
Peter Ertl
Tel.: 09433 896-210
E-Mail: Peter.Ertl@LfL.bayern.de

Fischotterberater für die nördliche Oberpfalz (Landkreise: Tirschenreuth, Neustadt a.d. Waldnaab, Weiden i. d. Oberpfalz, Amberg-Sulzbach)
Alexander Horn
Tel.: 09631 7989-019
Mobil: 0162 1379764
E-Mail: Alexander.Horn@Tirschenreuth.de

Bau von Zäunen
Der Bau von Abwehrzäunen kann bei kleineren Teichen den Zugang des Fischotters verhindern. Die Baumaßnahmen können mit Zuschüssen unseres EU-Förderprogramms EMFF (Europäischer Meeres- und Fischereifonds) unterstützt werden. Für Zäune, die nach den Vorgaben des Fischotterberaters errichtet wurden, kann der Teichwirt die Hälfte der Kosten bezuschusst bekommen.
Entschädigungsfonds
Für Schäden, die trotz Zäune entstanden sind oder in Teichwirtschaften, bei denen ein Zaunbau nicht durchführbar ist, wurde ein Entschädigungsfonds eingerichtet. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten hat für das Jahr 2016 100.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Kontaktlaute der Fischotter

zwei Fischotter auf einem Stein, der linke Fischotter öffnet sein Maul

©Gail Johnson–Fotolia.com

Auch Fischotter sind in der Lage Laute von sich zu geben. Hier hören Sie Kontaktlaute eines Fischottermännchens.

Autor: Altmann, Dagmar / Tierstimmenarchiv Berlin

Lebensraum und Lebensweise

Fischotter geht an LandZoombild vorhanden

©Leighverrall–Fotolia.com

Der Fischotter hält sich hauptsächlich im und am Wasser auf. Entscheidend bei der Wahl des Lebensraums sind nicht so sehr Art, Größe und Natürlichkeit, sondern vielmehr Nahrungs- und Strukturreichtum der Gewässersysteme. Bevorzugt werden Gewässer mit reichlich Nahrung, sowie zahlreichen ufernahen Versteckmöglichkeiten (z. B. Hohlräume im Uferbereich, Felsblöcke, Baue von anderen Tieren oder Reisighaufen). Insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass sich Fischotter gerne in der Nähe von Fischteichen aufhalten, da sie dort ein reichhaltiges und leicht zu erbeutendes Nahrungsangebot vorfinden.
Am Tag sind die überwiegend einzelgängerisch lebenden Tiere nur zu beobachten, wenn sie sich ungestört und sicher fühlen. Die Reviergröße der territorialen Fischotter hängt v. a. von der Qualität des Lebensraums ab. Reviergrößen von bis zu 40 km Gewässerlauf für Rüden und 20 km für Fähen sind keine Seltenheit. Die Streifgebiete von Männchen und Weibchen können sich dabei überlappen.
Wissenschaftliche Studien ergaben, dass Fischotterrüden in einer Nacht Strecken von bis zu 35 km und Fähen bis zu 15 km zurücklegen können. Diese Wanderungen können auch in weiten Teilen über Land erfolgen und sind nicht ausschließlich an Gewässer gebunden. Auch Ortschaften und Städte werden regelmäßig durchquert.
Die Reviergrenzen des Fischotters werden mit Kot markiert. Der frische Kot hat einen intensiven und charakteristischen Geruch, an dem die Anwesenheit des Fischotters zweifelsfrei nachgewiesen werden kann.

Ernährung

Fischotter im SchneeZoombild vorhanden

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Ob der Name Fischotter auf die Hauptnahrung oder aber die gewandte Fortbewegungsart im Wasser Bezug nimmt, ist nicht bekannt.
Fischotter sind sogenannte Nahrungsopportunisten, die sich von dem ernähren, was sie am leichtesten erbeuten können. Die Zusammensetzung variiert deshalb im Jahresverlauf stark. Seine Nahrung reicht von Fischen über Frösche, Insekten, Schnecken, Schlangen bis hin zu Jungvögeln und Bisamratten.
Kleine Beutetiere werden gleich im Wasser verzehrt, größere an Land.

Fischotter im Jahresverlauf

Die Hauptpaarungszeit ist im Februar und März, kann sich aber auch über das ganze Jahr erstrecken. Nach einer Tragzeit von ca. 60 Tagen werden die meist 2 bis 3 Jungen in einem Bau geboren. Sie kommen blind zur Welt und öffnen nach etwa einem Monat die Augen. Mit sechs Wochen unternehmen sie dann die ersten Schwimmversuche. Die Jungen begleiten ihre Mutter bis zu 14 Monate lang und lernen dabei alles, was man als Fischotter zum Überleben braucht. Danach wandern die Jungtiere aufgrund ihres typischen Territorialverhaltens ab und suchen sich eigene Reviere. Gesäugt werden die Jungen bis Ende November.

Liniendiagramm der Aktivitäten des Fischotters im Jahresverlauf

Fischotter-Managementplan in Bayern

Fischotter sitzt auf SteinenZoombild vorhanden

©Derrick Neill–Fotolia.com

Der Bayerische Wald gilt als Kerngebiet der sich natürlich ausbreitenden bayerischen Fischotterpopulation. Diese an sich erfreuliche Entwicklung bringt jedoch Probleme mit sich wenn die Interessen der Menschen mit den Lebensraumansprüchen der Tierart in Konflikt geraten. Im Fall des Fischotters sind es insbesondere kleine, ungeschützte Fischzuchtanlagen, die wegen der leichten Bejagbarkeit der Fische zwangsläufig zu einem Anziehungspunkt für den Wassermarder werden. So mehren sich seit einigen Jahren die Klagen über fischereiwirtschaftliche Schäden insbesondere an Forellenteichanlagen und an Fließgewässern im ostbayerischen Raum. Seit einiger Zeit treten Otterschäden auch an den Karpfenteichen der Oberpfalz auf.
Aufgrund der dringenden Notwendigkeit eines Konfliktmanagements wurde für Bayern ein Fischotter-Managementplan entwickelt. Dieser zeigt u. a. Wege und Lösungen auf, um einen Interessensausgleich zwischen den wirtschaftlichen Belangen des Menschen, dem Fischartenschutz und den Anforderungen der Art an ihren Lebensraum zu erreichen.

Fischotter Managementplan Bayern 2013 (StMELF) pdf 822 KB

Weiterführende Informationen und Literatur