Steinwild

Ein Steinwild Weibchen sitzt mit ihrem Jungen auf einem Felsen

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Steinböcke gehören zur Gattung der Ziegen (Capra). Als echte Vertreter der Wildziegen, kommen sie in verschiedenen Unterarten über Eurasien und Nordost-Afrika verbreitet vor. Der auch in Bayern vorkommende Alpensteinbock (Capra ibex ibex) und der Iberische Steinbock (Capra ibex pyrenaica). Steinböcke sind auf ihren Lebensraum in den Felsregionen der Hochgebirge spezialisiert. Durch diese Ansprüche ist die Gesamtpopulation relativ stark verstreut und folglich auch genetisch recht verarmt.

Offizielle Bestandserfassung 2016: Fast 800 Steinböcke gezählt

Landkarte mit eingfärbten Landkreise Südbayerns.
In Bayern wird der Steinwildbestand schon seit Jahren intensiv beobachtet. Die Tiere werden jedes Jahr mindestens einmal in Zusammenarbeit den Unteren Jagdbehörden, den Bayerischen Staatsforsten, den Revierinhabern und den Hegegemeinschaften gezählt.
Steinwild ist in den Landkreisen Bad Tölz, Rosenheim, Miesbach, im Ober- und Ostallgäu, sowie im Kerngebiet des Nationalparks Berchtesgaden beheimatet. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten hat 2016 die gesammelten Daten zusammengefasst und ausgewertet. Eine solche Übersicht gab es zuletzt 2010.

Offizielle Bestandserfassung Steinwild 2016

Erscheinungsbild

ein weiblicher Steinbock steht auf einer grünen alpinen Wieser mit Felsen.
Beim Steinwild tragen beide Geschlechter nach hinten gebogene Hörner. Das Gehörn der Böcke kann über einen Meter lang werden, ist im Querschnitt dreieckig und hat Wülste an der Vorderseite. Diese ermöglichen eine gute Altersansprache.
Die Hörner der Geißen hingegen werden kaum länger als 30 Zentimeter, sind knotenlos und im Querschnitt rundlich. Das Hauptwachstum des Gehörns erfolgt in den ersten fünf Lebensjahren. Generell sind Böcke deutlich plumper und massiger als die Weibchen (Geißen). Diese werden im Schnitt nur etwa 40 Kilogramm schwer und wirken dabei recht grazil. Kitze sind bis zu einem Alter von etwa einem Jahr kaum einem Geschlecht zuzuordnen, da die Hörner bei beiden Geschlechtern dann etwa gleich ausgeprägt sind.
mehrere Weibchen auf einer grünen Wiese

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ein Weibchen sitzt auf einem Felsen

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zwei Steinböcke und zwei Weibchen auf bräunlicher Wiese

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zwei Steinböcke von der Seite fotografiert auf Felsen stehend

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Das Fell der Tiere erscheint gräulich im Sommer. Das Winterfell ist dunkler, grau-braun mit hellem Unterhaar und hat eine ausgezeichnete Isolierwirkung. Temperaturen bis -35 Grad Celsius stellen für Steinböcke kein Problem dar. Im Frühjahr wird das Fell gewechselt. Dabei werden das letztjährige Sommer- und das aktuelle Winterfell gegen ein neues Sommerfell getauscht. Steinwild hat kräftige Läufe, die mit gummiartigen, aber äußerst harten Hufen (Schalen) enden. Diese Beschaffenheit ermöglicht die unglaublichsten Kletteraktionen. Steinwild sieht und hört außergewöhnlich gut, auch der Geruchssinn ist sehr fein ausgeprägt.

Wissenswertes auf einen Blick

  • Wissenschaftlicher Name: Capra ibex ibex
  • Gewicht Männchen: bis 120 Kilogramm
  • Gewicht Weibchen: bis 40 Kilogramm
  • Größe Männchen: Schulterhöher bis 1 Meter, Länge bis 2 Meter
  • Größe Weibchen: Schulterhöhe ca. 80 Zentimeter, Länge bis 1 Meter
  • Alter: bis 20 Jahre
  • Geschlechterunterschied: Männchen deutlich massiger und größer als Weibchen; Männchen haben ein beindruckendes Gehörn bis 1 Meter Länge, Weibchen bis etwa 30 Zentimeter
  • Anzahl der Jungen: 1 Kitz, selten 2

Steinböcke und Alpenbesucher

Da Steinwild nicht bejagt wird, hat es kaum Scheu vor dem Menschen entwickelt. Deshalb sind die Tiere leicht zu beobachten und haben eine äußerst geringe Fluchtdistanz.

Hier einige interessante Aspekte und wichtige Verhaltensregeln:

  • Fühlt sich Steinwild von Wanderern gestört?
    • Steinwild fühlt sich generell von Wanderern und anderen Gebirgstouristen nicht gestört oder bedroht, was auch schon durch einige wissenschaftliche Studien bestätigt wurde. Das authentische Verhalten in ihrem natürlichen Umfeld kann auch in Anwesenheit des Menschen relativ einfach beobachtet werden.
  • Wie verhalte ich mich, falls ich beim Wandern auf Steinwild treffe?
    • Obwohl einem Steinwild sprichwörtlich "aus der Hand frisst" sollte man sich als verantwortungsvoller Gebirgsbesucher stets im Klaren darüber sein, dass es sich beim Steinbock um ein Wildtier handelt. Handfütterung oder Verfütterung von menschlichen Speiseresten ist deshalb tabu. Ebenso sollte ein gebührender Abstand zu den Tieren selbstverständlich sein.

Natura 2000 Monitoring Alpensteinbock (Capra ibex ibex)

Ein Mann mit Mütze und blauer Regenjacke sieht durch ein Spektiv.
Alpensteinböcke gibt es ausschließlich in Europa, als einzige Art der Alpen. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich über den kompletten Alpenraum und umfasst damit Frankreich, die Schweiz, Deutschland, Norditalien und Österreich.
Anfang des 19. Jahrhunderts war die Art nahezu ausgerottet. Damals war der Aberglaube weit verbreitet, dass Magensteine des Steinwilds, sogenannte "Bezoarkugeln" sowie das Herzkreuz (ein kleiner Knochen) schützende und heilende Wirkung hätten. Unter anderem deshalb waren die Tiere eine begehrte Jagdbeute.
Lediglich etwa 100 Exemplare der Hochgebirgsbewohner gab es noch im Nationalpark "Gran Paradiso" in Norditalien. Alle heute im Alpenraum lebenden Steinböcke stammen von dieser Restpopulation ab. Die Bestände gehen auf etliche Wiederansiedlungsaktionen aber auch auf natürliche Ausbreitungsvorgänge zurück. In den 1990er Jahren wurde der Gesamtbestand in den Alpen auf etwa 30.000 Tiere geschätzt.
Steinwild wird als Anhang V Art der FFH Richtlinie geführt, deshalb ist eine regelmäßige Überprüfung des Erhaltungszustandes der Population obligatorisch. Im Frühsommer 2016 wurden die vor Ort gesammelten Daten ausgewertet.

Schwergewichtige Kletterkünstler

Ein Steinbock steht an einer fast senkrecht abfallenden SteilwandZoombild vorhanden

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Steinböcke sind beeindruckende Kletterkünstler. Selbst in ausgesprochen unzugänglichem Gelände, wie Steilhängen, an Staumauern etc. finden die Tiere Halt und zeigen sich dabei ausgesprochen wendig. Das ist besonders beeindruckend, da ihre Körpermasse teils über 120 Kilogramm beträgt.
Die einzigartige Struktur ihrer Hufe (Schalen) ermöglicht solch halsbrecherisch scheinende Kletteraktionen. Beide Zehen sind halbparabelförmig und haben eine harte Hufwand, was zusätzlich Stabilität verleiht. Die weiche Sohle ermöglicht ein Vorankommen im steilen Terrain, da sie sich nach innen verformt und so Unebenheiten im Gelände ausgleicht. Außerdem sind die Zehen spreizbar und unabhängig voneinander beweglich, was den Halt auf extrem schmalen Oberflächen ermöglicht. So kann Steinwild in Regionen vordringen, in die ihm kein Beutegreifer folgen kann. Deshalb kann man diese Fähigkeit auch als Teil der Verteidigungsstrategie sehen.
Die natürlichen Feinde des Steinwilds sind unter anderem Wölfe, Bären, Füchse und Luchse. Kommt es doch einmal zu einem Zusammentreffen mit einer potentiellen Gefahr, stellt sich das Tier auf die Hinterbeine und schlägt mit dem Gehörn nach dem Feind.

Lebensraum und Lebensweise

Ein Steinbock frisst auf einer alpinen WieseZoombild vorhanden

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Steinwild ist speziell an das Leben in den Felsregionen der Hochgebirge oberhalb der Baumgrenze angepasst. Die Tiere sind trotz ihrem zunächst plump wirkenden Erscheinungsbild ausgezeichnete Kletterer und ungeheuer wendig. Sie fühlen sich in Regionen von bis zu 4500 Metern Höhe sehr wohl. Dabei werden vor allem Bergzüge mit Felsen und lichten Weiden bevorzugt. Bewaldete Täler werden hingegen strickt gemieden. Lediglich in harten Wintern ziehen die Tiere zeitweise in die oberste Waldregion.
Erwachsene Weibchen und Jungtiere beider Geschlechter bis zu einem Alter von etwa 2 Jahren leben ganzjährig in lockeren, hierarchiefreien Gruppen zusammen, sogenannten "Fahlwildrudeln". Die Böcke finden sich ebenfalls zu Rudeln zusammen, diese lösen sich jedoch jährlich zur Paarungszeit (Brunft) auf. Manche Böcke schließen sich nach der Verpaarung für einige Zeit den Damen an, spätestens im Frühjahr jedoch suchen sie sich ein neues "Bockrudel". Andere Böcke hingegen finden sich gleich nach der Brunft, bereits im Spätwinter, wieder in einer reinen Herrenrunde ein.

Ernährung

mehrere Weibchen auf einer grünen WieseZoombild vorhanden

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Steinböcke sind ausgesprochene Raufutterfresser. Ihre Hauptnahrungsquellen sind neben alpinen Gräsern auch Kräuter, Nadel- und Laubzweige sowie Flechten. Weibchen (Geißen) und Jungtiere (Kitze) benötigen proteinreichere, gehaltvollere Nahrung. Die viel größeren und schwereren Böcke benötigen zwar mehr Nahrung, dafür kann sie von minderer Qualität sein. Nahrungskonkurrenz mit anderen Arten gibt es kaum. Höchstens mit den Gämsen im Bereich der Waldgrenze.

Steinwild im Jahresverlauf

zwei Steinböcke und zwei Weibchen auf bräunlicher WieseZoombild vorhanden

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Die Brunft des Steinwilds findet etwa von Ende November bis Anfang Januar statt. In diesen Wochen begleiten jeweils mehrere Böcke ein Geißenrudel ("Kommunalbrunft"). Es kommt jedoch nur der dominante Bock zum Zug. Kämpfe zwischen den Rivalen kommen trotzdem relativ selten vor, da die Rangfolge normalerweise bereits vor der Paarungszeit im Bockrudel festgelegt wurde. Dieses Verhalten ermöglicht den Böcken enorme Energieeinsparungen im ohnehin sehr harschen, hochalpinen Winter. Lediglich zwischen gleichaltrigen oder gleichstarken Böcken kommt es gelegentlich zu erbitterten Kämpfen um das heißbegehrte Geißenrudel.
Obwohl die Geschlechtsreife bei beiden Geschlechtern mit etwa 18 Monaten erreicht ist, nehmen Geißen meist erst ab einem Alter von etwa vier Jahren an der Brunft teil. Bei den Böcken dominieren in der Regel Tiere die sechs Jahre oder älter sind das Geschehen. Nach einer Tragzeit von durchschnittlich 167 Tagen, also ca. 5 1/2 Monaten, wird Anfang Juni meist ein Kitz, äußerst selten auch zwei, geboren. Die Jungtiere werden bis in den nächsten Winter hinein von der Mutter gesäugt.

Jagd und Management

ein Steinbock steht auf einer schneebedeckten WieseZoombild vorhanden

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Steinwild unterliegt zwar gemäß §2 Abs. 1 Nr.1 (BJagdG) dem bayerischen Jagdgesetz, ist aber ganzjährig geschont.