Hochgebirge

Hochgebirgslandschaft

©Kudernatsch, T.

Oberhalb der Waldgrenze werden die Lebensbedingungen – auch für unsere heimischen Wildtiere – immer extremer. Wer in dieser rauen Umwelt dauerhaft überleben will, muss mit Kälte und Schnee genauso zurechtkommen wie mit schwierigen Geländeverhältnissen oder einer spärlichen Nahrungsgrundlage. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass die Wildtiere des Hochgebirges erstaunliche Fähigkeiten und Anpassungsstrategien entwickelt haben, um mit diesen lebensfeindlichen Bedingungen zurechtzukommen.

Lebensräume jenseits des Waldes

HochgebirgslandschaftZoombild vorhanden

©Janko, C.

Zwischen 1.600 und 1.800 Metern über Meereshöhe stößt der Wald im Bayerischen Alpenraum an seine klimatische Grenze. In diesem Bereich löst sich der geschlossene Wald nach und nach auf und wird schließlich von einem „Buschwald“ aus Latschen und Zwergsträuchern abgelöst.
Hat man diesen auch als „Krummholzzone“ bezeichneten Bereich hinter sich gelassen, gelangt man in das Reich der von Natur aus gehölzfreien alpinen Rasen. In diesen mehr oder weniger geschlossenen Teppichen aus Gräsern und Seggen finden sich während des Sommers zahlreiche, z. T. leuchtend bunte Alpenblumen, die das Herz eines jeden Naturliebhabers höherschlagen lassen. Viele Wildtiere wie Gämse und Murmeltier sehen darin vor allem eine wertvolle Nahrungsgrundlage.
In der Gipfelregion gehen die Rasenbestände schließlich in steile und exponierte Schutt- und Felsbereiche über, den aus Sicht von Pflanzen und Tieren extremsten Lebensräumen des Bayerischen Hochgebirges.

Integrales Schalenwildmanagement im Bergwald

Gebirgslandschaft mit Wald im Sommer. Einzelne Lawinenabgänge sichtbar.
Rot-, Gams- und Rehwild sind die für den Bayerischen Alpenraum charakteristischen Schalenwildarten. Sie stehen in komplexen Wechselbeziehungen mit ihrem Lebensraum und spielen daher beim Erhalt der Multifunktionalität des Ökosystems Bergwald eine entscheidende Rolle.
Vor diesem Hintergrund hat die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) in Kooperation mit den Bayerischen Staatsforsten (BaySF) und unter Einbindung externer Experten ein Forschungskonzept ausgearbeitet.

Von Spezialisten und Überlebenskünstlern

Gämsen in der SteilwandZoombild vorhanden

©Janko, C.

Wenngleich der Sommer im Hochgebirge den dort lebenden Wildtieren schon einiges abverlangt, so stellt doch der Winter den eigentlichen „Flaschenhals“ dar. Extreme Kälte, tiefer Schnee, Lawinen und ein äußerst spärliches Nahrungsangebot machen die Bereiche oberhalb der Waldgrenze nicht selten zu einer „Todeszone“ für Wildtiere. Viele Tiere entgehen diesen widrigen Bedingungen dadurch, dass sie in angenehmere Gefilde ausweichen. Nur wenige spezialisierte Arten schaffen es, tatsächlich auch den Winter im Hochgebirge zu überdauern.
ein SteinbockZoombild vorhanden

©Kudernatsch, T.

Steinböcke beispielsweise sind echte Hochgebirgsbewohner, die sich im Winter auf steilen, südexponierten Hängen aufhalten. Dort entstehen durch Sonneneinstrahlung und Wind immer wieder schneefreie Stellen, auf denen die genügsamen Tiere ihre spärliche Nahrung finden. Eine Strategie, die übrigens auch von vielen Gämsen verfolgt wird. Auch das Alpenschneehuhn ist Sommers wie Winters oberhalb der Waldgrenze anzutreffen. Die kalte Jahreszeit verbringt es bevorzugt in Schneehöhlen, wo es vor Kälte und Wind optimal geschützt ist. Eine ganz andere Strategie verfolgt das Murmeltier. Dieses verschläft die unwirtliche Zeit einfach in seinem Bau.

Des einen Freud, des anderen Leid

Hirsch und Alttier im SchneeZoombild vorhanden

©Andrea Izzotti-Fotolia.com

Im Winter müssen die Wildtiere des Hochgebirges mit ihren Kräften haushalten. Verbrauchen sie ihre knappen Reserven für z. B. Fluchten im tiefen Schnee, fallen sie nicht selten dem Spätwinter zum Opfer. Diesen Aspekt sollten Wintersportler wie Skitourengeher oder Schneeschuhgeher im Hinterkopf behalten, wenn sie sich im Hochgebirge bewegen. Rücksichtnahme – insbesondere auf sehr störungsempfindliche Arten wie unsere heimischen Raufußhühner – sollte hier selbstverständlich sein.
Nichtsdestotrotz ist der Tod von Wildtieren im Winter ein fester und wichtiger Bestandteil des natürlichen Kreislaufs, der einerseits zur Regulierung und Gesunderhaltung von Wildtierbeständen beiträgt und andererseits anderen Tieren beim Überleben hilft. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Steinadler, der während der kalten Jahreszeit häufig und gerne auf Fallwild als Nahrungsgrundlage zurückgreift.

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