Jagdrecht in Bayern

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In unserem Kulturkreis sollen Wildarten als Mitgeschöpfe nur aus vernünftigem Grund getötet werden. Das Jagdrecht sorgt für den gesetzlichen Rahmen, in dem die Jagd ausgeübt werden darf. Bei der Jagd und dem Wildtiermanagement nimmt der verantwortliche Mensch nicht nur Rechte war, er muss auch Pflichten erfüllen.
So umfasst das Jagdrecht die ausschließliche Befugnis, auf einem bestimmten Gebiet Wildarten zu hegen, auf sie die Jagd auszuüben und sie sich anzueignen. Mit dem Jagdrecht ist die Pflicht zur Hege verbunden.
Aus dem Bayerischen Jagdgesetz, Art. 1 Gesetzeszweck: Die freilebende Tierwelt ist wesentlicher Bestandteil der heimischen Natur. Sie ist als Teil des natürlichen Wirkungsgefüges in ihrer Vielfalt zu bewahren.

Änderung des Bundesjagdgesetzes zum 10. November 2016

Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 07.03.2016 hatte völlig überraschend die bisherige Verwaltungspraxis zum Umgang mit halbautomatischen Jagdlangwaffen bei der Jagd in Frage gestellt.
Für die bayerischen Jäger wurde eine Übergangsregelung geschaffen, die es ermöglichte, dass Bestandswaffen, die sich bereits im Besitz der Jägerinnen und Jäger befanden weiterhin jagdlich eingesetzt werden durften. Diese Regelung ist mit der Bundesregelung nicht mehr anzuwenden.
Am 10. November 2016 trat die Änderung des Bundesjagdgesetzes in Kraft. Das bedeutet:
Halbautomatische Jagdlangwaffen, die mit nicht mehr als drei Patronen geladen sind, dürfen rechtssicher für die Jagd verwendet werden.

Vorgaben strikt einhalten

Führt jemand eine halbautomatische Jagdlangwaffe, die mit insgesamt mehr als drei Patronen geladen ist, ist dies nicht mehr von § 13 Abs. 6 WaffG gedeckt, da diese Regelung nur das Führen im Rahmen der "befugten" Jagdausübung erlaubt. Folglich führt die betreffende Person die Jagdwaffe ohne die erforderliche Erlaubnis. Dies ist nicht nur nach § 52 WaffG strafbar, sondern stellt auch nach § 5 WaffG die waffenrechtliche Zuverlässigkeit sowie die jagdrechtliche Zuverlässigkeit in Zweifel, sodass dann der Entzug der Waffenerlaubnis sowie des Jagdscheins im Raum stehen würde.

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Gesundheitsschutz durch Schalldämpfer möglich

Menschlicher Kopf mit Hand am Ohr

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Durch den Schussknall bei der Jagdausübung können gesundheitliche Beeinträchtigungen beim Hörvermögen ausgelöst werden.
Gehörschutz am Ohr ist nicht für alle Jäger und Jagdarten geeignet. Außerdem wird dadurch das Problem der Umweltbelastungen (Treiber, Hundeführer, Hunde, Anwohner, Erholungsverkehr etc.) nicht reduziert.
Mit der Verwendung von Schalldämpfern wird die gesundheitliche Gefährdung, die bei der Abgabe eines Schusses entsteht, verringert. Der Schussknall wird hierbei nicht völlig, aber um 20 bis 30 Dezibel verringert. Durch diese Reduzierung wird eine für den Gesundheitsschutz entscheidende Lärmschwelle unterschritten.
Im Rahmen einer verfassungskonformen Auslegung der jagd- und waffenrechtlichen Bestimmungen werden ab sofort Anträge von Jägern aus Gründen des Gesundheitsschutzes genehmigt. Es genügt ein schriftlicher Antrag wie er nachfolgend heruntergeladen werden kann.

Für die Genehmigung gilt:

  • Örtlich zuständig ist im Regelfall die Kreisverwaltungsbehörde, in deren Bezirk die Antragsteller ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben (Art. 3 Abs. 1 Nr. 3 a BayVwVfG, Art. 49 BayJG). Hat der Antragsteller seinen gewöhnlichen Aufenthaltsort außerhalb Bayerns, ist die Kreisverwaltungsbehörde zuständig, in deren Bezirk der Antragsteller die Jagd ausübt (Art. 3 Abs. 1 Nr. 4 BayVwVfG).
  • Eine Genehmigung ist i.d.R. unbefristet erteilt.
  • Ein Eintrag in den Jagdschein erfolgt nicht. Es ist nicht erforderlich, dass der jagdrechtliche Genehmigungsbescheid bei der Jagdausübung mitgeführt wird.
  • Der Geltungsbereich der jagdrechtlichen Genehmigung erstreckt sich auf Bayern. Die Verwendung von Schalldämpfern ist in den Jagdgesetzen der anderen Bundesländer unterschiedlich geregelt. Es empfiehlt sich ggf. den Einsatz dort vorab zu klären.
  • Zusätzliche Nachweise, wie z.B. ein ärztliches Attest, sind nicht erforderlich.

Bejagungszwang und Pflichtmitgliedschaft in der Jagdgenossenschaft

Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte

EGMR

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Am 26.06.2012 hat die Große Kammer des EGMR im Verfahren Herrmann gegen Deutschland geurteilt, dass das deutsche Reviersystem teilweise gegen die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) verstößt. Die Richter stellten fest, dass der Schutz des Eigentums durch Bejagungszwang und Pflichtmitgliedschaft in der Jagdgenossenschaft verletzt ist.   Mehr

Bleihaltige Schrote

Hinweis: Verbot der Verwendung bleihaltiger Schrote
Mit der Änderung der Verordnung zur Ausführung des Bayerischen Jagdgesetzes (AVBayJG) vom 01. April 2004 wurde auch ein Verbot der Verwendung bleihaltiger Schrote bei der Jagd auf Wasserfederwild an und über Gewässern mit entsprechender Bußgeldvorschrift eingeführt. Diese Regelung trat am 01. April 2007 in Kraft.

Wir bitten Sie deshalb z. B. bei der Munitionsbeschaffung zu beachten, dass seither bei der Jagd auf Wasserfederwild die Verwendung bleihaltiger Schrote an und über Gewässern nicht mehr zulässig ist.

Rechtliche Grundlagen

Formblätter für Abschussplanung

Weitere rechtliche Grundsätze

Das Jagdrecht auf einem Grundstück steht der Person zu, in dessen Eigentum das Grundstück steht, wobei das Jagdrecht nur in entsprechend großen Jagdbezirken ausgeübt werden darf, die entweder Eigenjagdbezirke oder gemeinschaftliche Jagdbezirke darstellen.
Zur Jagdausübung als solches gehören das Aufsuchen, Nachstellen, Erlegen und Fangen von Wildarten. Nur der Jäger darf sich dabei auch kranke oder verendete Wildarten, die dem Jagdrecht unterliegen, sowie Eier von Federwild oder Geweihstangen aneignen.
Das Ziel unserer Jagdgesetze ist es, einen artenreichen und gesunden Wildbestand in einem ausgewogenen Verhältnis zu seinen natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten, die natürlichen Lebensgrundlagen des Wildes zu sichern und zu verbessern.
Dabei sollen Beeinträchtigungen einer ordnungsgemäßen land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen Nutzung durch das Wild möglichst vermieden werden. Insbesondere soll die Bejagung die natürliche Verjüngung der standortgemäßen Baumarten im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen ermöglichen.